Die Wirkung des Religionsunterrichts.
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oder links? Hier ein Christentum, das losgemacht ist von der göttlichen Thorheit
des Kreuzes, die Religion der gesunden Vernunft; dort die Gemeinschafts
bewegung, die sich sammelt um das Zeichen, in dem allein Sieg ist, die —
mögen auch noch so viele Mängel und Schwächen in Erscheinung treten — ge
tauft ist mit dem heiligen Pfingstfeuer.
Was soll geschehen? Soll unsere Kirche die Zügel der Recht-gläubigkeit
wieder straffer anziehen, sich versteifen auf ihre Symbole und Ordnungen und
scharfe Grenzlinien nach rechts und links ziehen? Das geht. Wenn die Kirche
der Gewissensfreiheit eine tote Papstkirche werden will, ist nichts dagegen einzu
wenden. Will man das Beten hinaustreiben, giebt es keine bessere Methode.
Wahres Leben läßt sich nun einmal nicht in starre Formen fassen, es schafft sich
selbst die angemessenen Formen. Das Leben schafft die Formen, nicht umgekehrt.
Wenn im Frühling der Lebenshauch Gottes durch die Natur weht, dann schwellen
die Knospen, dann reifen und fallen die Hüllen, dann bilden sich neue Formen
— neue Formen und doch wieder die alten Formen; dasselbe Leben schafft
immer wieder gleichartige und doch verschiedene Formen. Gerade so ist es mit
dem geistlichen Leben. Das Leben ist die Hauptsache, nicht die Form. „Der
Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig."
Es ist meines Erachtens die nächste und wichtigste Aufgabe der äußeren
Kirchengemeinschaft, die lebendigen Glieder zu sammeln, zu erhalten und
zu pflegen. Dann kommt alles andere von selbst. Wenn in einer Gemeinde
eine rechte Gemeinschaft gläubiger Christen ist, dann hat sie einen Altar, wo
die glühenden Kohlen zusammengetragen werden, damit ein heiliges Feuer dar
aus werde.
Es wird dennoch wesentlich darauf ankommen, ob die evangelische Kirche
gegenwärtig innere Kraft, Weisheit und Weitherzigkeit genug besitzt, um eine
freie und gesunde Gemeinschaftsbewegung in sich aufzunehmen. Wird das ge
schehen, dann werden von der Kirche neue Lebens- und Segensströme ausgehen
auf unser Volk. Geschieht es nicht, dann wird der rechte Glaube bleiben, und
der rechte Glaube wird gehen.
Ich glaube, daß besonders in der Gegenwart die evangelische Kirche auf
die treue Mitarbeit gläubiger Volksschullehrer angewiesen ist, daß sie mitberufen
sind zu helfen, daß neue Lebenskräfte in unsere Kirche hineingeleitet werden.
Und es wäre gut, wenn sie diese Arbeit mit Freuden und nicht mit Seufzen
thun könnten und wollten. Es liegt viel Wahrheit in dem Wort: „Wer die
Jugend hat. hat die Zukunft." Und wir Volksschullehrer haben die Jugend
und haben sie gehabt, wenn auch nicht so ganz, wie man wünschen und auch
wieder befürchten möchte. Und die Früchte? Ich weiß, daß wir mit gewaltigen
Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Das soll und darf mich nicht daran hindern,
daß ich einen Teil der Schuld auch in mir suche und finde. Aber das ist mir

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