Die Wirkung des Religionsunterrichts.
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Und Apg. 4, 33 heißt es: „Und mit großer Kraft gaben die Apostel
Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesu und war große
Gnade bei ihnen allen." Was hatte den Aposteln diese große Kraft gegeben?
Sie hatten doch diese Kraft nicht immer besessen. Wie kraft- und trostlos
waren sie doch, als Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, als er gestorben und
begraben war. Woher haben sie die Zeugenkrast bekommen? Sie wußten jetzt
aus eigener Erfahrung: Jesus lebt. Sie wußten es: Unser Jesus ist stärker
als Grab und Tod. Ja, sie wußten es: Dieser auferstandene Herr und Heiland
ist nicht bloß bei uns alle Tage, nach seiner Verheißung, sondern er ist in uns.
Sie verstanden nun seine herrlichen Verheißungs- und Trostworte: „Siehe, ich
bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." — „Ich in ihnen, und du
in mir." — „Ihr seid es nicht, die da reden, sondern meines Vaters Geist ist
es, der aus euch redet." Die Jünger hatten ja nicht bloß Ostern, sondern
auch Pfingsten erlebt. Ostern bedeutet für den lebendigen Christen: Jesus
lebt. Pfingsten bedeutet: Jesus lebt in mir.
Eben darum konnte Paulus sagen: „Ich lebe aber, doch nun nicht ich,
sondern Christus lebet in mir." Die Lehre und Predigt der Apostel hätte
nicht gewirkt; es wäre keine christliche Kirche entstanden, wenn nicht ihre ganze
Persönlichkeit hinter ihrem Wort gestanden hätte mit dem todesmutigen und
todesfreudigen Bekenntnis: Wir wissen, daß dieser Jesus, den unsere Obersten
gekreuzigt haben, lebt; wir wissen, daß er bei uns und in uns ist; auf diese
Wahrheit wollen wir leben und sterben. — „Ihr werdet meine Zeugen sein,"
hatte Jesus gesagt. (Apg. 1, 8.) Und sie waren seine Zeugen. Das war
ihre Aufgabe. Das ist auch unsere Aufgabe. Wie können wir aber bezeugen,
daß Jesus lebt, wenn wir es nicht wissen aus Grund persönlicher Erfahrung.
Mit dem bloß historischen Glauben ist es nicht gethan. Das kann uns nur
einen historischen, toten Christus vermitteln. Die persönliche Gewißheit, daß
Jesus lebt, kann durch keine Denkoperation, sondern allein durch innere Er
fahrung vermittelt werden. Nur so kommen wir zu einer unmittelbaren Gewiß
heit, zu einer sicheren Überzeugung. Und nur da, wo diese beseligende Gewißheit
ist, da hat erfahrungsmäßig das Wort Kraft und Nachdruck, da wirkt es, weil
es wirken muß.
Es ist von der größten Wichtigkeit zu erkennen, daß die persönliche Heils
gewißheit eine zwiefache, nämlich eine objektive und subjektive Grundlage hat.
Erstere finden wir in den historischen Thatsachen (Karfreitag, Ostern). Letztere
ist zu suchen in der persönlichen Heilserfahrung, die sich aus Buße und Glauben
gründet. Ohne dieses persönliche Heilserlebnis ist keine persönliche Heilsgewißheit
möglich. „Derselbige Geist giebt Zeugnis unserm Geist, daß wir
Gottes Kinder sind." (Röm. 8, 16.) Und ohne diese Gewißheit fehlt es
an Licht und Leben. Wo man nur die objektive Grundlage kennt und an-

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