Die Wirkung des 'Religionsunterrichts.
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und ein entschiedenes Bekenntnis. Wo das Heilserlebnis fehlt, da ist Halbheit,
jenes zaghafte, halb glaubende und halb zweifelnde Wesen, das sich so gern in
den Mantel der christlichen Demut einhüllt, aber mit dem Wesen dieser Tugend
nicht das geringste zu schaffen hat.
Haben wir persönliches Christentum oder nicht? das ist hier die Frage.
Wenn es da ist, muß es sich zeigen. Und nur in dem Maße, als es sich zeigt,
kann unsere gesamte Erziehungsarbeit Frucht schaffen für die Ewigkeit.
Daß es in keinem anderen Unterrichtsfache so auf die Persönlichkeit an-
kommt, wie gerade im Religionsunterricht, wird niemand ernsthaft bestreiten
können. Warum ist hier die Persönlichkeit von entscheidender Bedeutung? Weil
jedermann ohne Reflexion empfindet, daß das Christentum durchaus praktischer
Natur ist, daß es hier nicht in erster Linie auf das bloße Wissen, sondern
auf das Thun ankommt. Wie kann man einen Lehrer ernst nehmen, der
praktische Wahrheiten vorträgt, die er durch sein ganzes Wesen offenkundig ver
leugnet! Darin liegt eine ernste Gewissensfrage für mich und jeden andern
christlichen Lehrer. Wir sind die schlimmsten Feinde des Christentums, wenn
wir durch unsern Wandel das niederreißen, was wir durch unsere Worte vielleicht
aufgebaut haben. Soviel ist gewiß: Kinder und Erwachsene werden am Ende
nicht dem glauben, was sie von uns hören, sondern dem, was sie von uns
sehen, nicht unsern Worten, sondern unserm Wandel in und außer der Schule.
Wenn wir selbst nicht Ernst machen mit dem Christentum, das wir lehren, dann
dürfen wir nicht erwarten, daß man unsern Religionsunterricht und uns selbst ernst
nimmt. Dann sind wir im Grunde genommen nichts anderes als pädagogische
Schauspieler. Dann wäre es für uns, unsere Schule, unsere Kirche und unser
Volk besser, wir hätten niemals die Hand an den Pflug gelegt. Wir werden
einmal vor unserm Richter stehen müssen. Dann wird unser Werk offenbar
werden, und es wird sich zeigen, ob wir Gold, Silber, edle Steine, Holz, Heu
oder Stoppeln aufgebaut haben. (1. Kor. 3, 12.) Aber: „Wer sich selbst
richtet, der komnit nicht ins Gericht." Wer hindert uns, in ein ernstes Selbst
gericht zu gehen? Wer hindert uns, wenn wir in diesem Gericht nicht bestehen
können, zu dem zu gehen, der uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur
Erlösung? Wer hindert uns, von dem toten an den lebendigen Christus zu
appellieren ?
II.
1. Nachdem wir uns mit den Lehrpersonen befaßt haben, werden wir
den Lehrgegenstand (Unterricht) und zwar zunächst die Lehrmethode
einer prüfenden Beachtung unterwerfen.
Die Methode hat zu berücksichtigen: 1. die Natur des Zöglings, 2. die
Natur des Lehrstoffes und 3. den Zweck der Erziehung.

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