Die Wirkung des Religionsunterrichts.
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ratsam einer Wissenschaft zu trauen, die sich leichten Herzens über den schlichten
Christenglauben hinwegsetzt Wahre Wissenschaft macht bescheiden. Ich würde
aber auch ein Christentum nicht loben, das mit Verachtung an jeder ernsten
Wissenschaft vorübergeht. Wahrer Glaube macht demütig und lehrt den Segen
aller ernsten Arbeit (körperlichen und geistigen) würdigen. Aber alles zu seiner
Zeit und an seinem Orte! Ich sehe nicht gern die Wissenschaft im Gebiet des
Glaubens und den Glauben im Gebiet der Wissenschaft. Das eine wird durch
das andere verdorben.
Aber es ist etwas Großes und Herrliches, wenn Wissenschaft und Kunst
mit dem Glauben Hand in Hand gehen. Die Männer der Kunst und Wissen
schaft sollten Priester Gottes des Höchsten sein, die ihre edlen Gaben dazu ge
brauchen, den großen Gott zu verherrlichen. Wenn solche Männer uns hinein
schauen lassen in die Wundertiefen der Natur und Kunst, dann werden wir uns
selbst so klein, und unser Gott wird uns so groß. Dann geht uns aber auch
eine Ahnung auf von der hohen und herrlichen Bestimmung des Menschen, daß
wir rühmen müssen mit dem Psalmisten: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich
ist dein Name in allen Landen! — Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest
und des Menschen Kind, daß du dich sein annimmst? Du hast ihn ein wenig
unter die Engel erniedrigt, und mit Herrlichkeit und Pracht hast du ihn gekrönt."
Wenn Glaube und Wissen (im gewöhnlichen Sinne) verschiedene Dinge
sind, wenn es der Glaube mit Dingen zu thun hat, deren Sein oder Nichtsein
durch keine Wissenschaft bewiesen werden kann, dann ist es sonnenklar, daß
ein Religionsunterricht verfehlt sein muß, der in Lehrbegriffen feinen Zweck sucht
oder doch auf der Meinung beruht, daß in einem möglichst klaren, großen und
zusammenhängenden Wissen die beste und sicherste Grundlage für die Entstehung.
Entwicklung und Ausgestaltung des christlichen Lebens zu suchen sei. Und wenn
diese Meinung sich auf Psychologie gründet, dann liegt eben wieder ein Anlaß
vor zu prüfen, ob diese Psychologie thatsächlich allen Erscheinungen des inneren
Lebens gerecht zu werden vermag.
2. Für die Methode ist zweitens die Natur des Unterrichtsgegenstandes zu
beachten. Christentum und Christenleben ist abhängig von Jesus Christus. Er
ist das Haupt, König, Hoherpriester und Prophet seiner Gemeinde. „Jesus
Christus gestern und heute, und derselbe in Ewigkeit." Ein Christentum, das
nur den Menschen, aber nicht den Gottmenschen Christus kennt, verdient seinen
Namen nicht. Es unterscheidet sich vom Judentum und Mohammedanismus
höchstens durch eine vollkommnere Sittenlehre. „Wir glauben ja all an einen
Gott." Und es giebt ja bekanntlich sogar sogenannte Christen, die auch von
der „Sklavenmoral" des Christentums nichts wißen wollen.
Es ist meines Erachtens kein christlicher Religionsunterricht, wenn nicht
Jesus Christus, der gekreuzigte und auferstandene Gottessohn im Centrum steht,

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