Die Wirkung des Religionsunterrichts.
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konfessionellen oder irgend welchen andern Gründen „Religion" in das Volk
hineinzutragen. Dann handelt es sich zunächst darum, Seelen zu gewinnen für
Jesum Christum, den Gekreuzigten und Auferstandenen.
Wir haben bisher die Unterrichtsmethode allgemein nach prinzipiellen Ge
sichtspunkten behandelt. Ich möchte aber nicht gern die praktische Seite ver
gessen und darum ohne Umschweife aufs Ziel losgehen. Wie gestaltet sich die
Sache, wenn wir an eine Unterrichtsstuse denken? Ich soll einen bestimmten
Stoff an die Schüler heranbringen. Lehrer, Lehrstoff, Schüler: das sind
die drei Faktoren, die für unsere Aufgabe in Betracht kommen.
Ich soll auf den Schüler einwirken; das Mittel ist der Unterricht.
Da ist es vor allen Dingen notwendig, daß ich den Punkt ausfindig mache,
wo der Hebel einzusetzen ist, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Ist es
der Verstand des Kindes? Nein. Das Evangelium von dem gekreuzigten
und auferstandenen Gottesmenschen ist und bleibt dem natürlichen Menschen
verstände die größte Thorheit. Das bezeugt uns der Apostel Paulus. Das
stimmt genau überein mit der allgemeinen Erfahrung.
Haben wir uns vielleicht an das Gefühl zu wenden? Das Gefühl ist
bekanntlich eine höchst unsichere Sache. Gefühle kommen und gehen. Wer sich
auf Gefühle verläßt, der ist verlassen. Ich möchte nicht gerne meine Seligkeit
auf Gefühle gründen. Es ist gewiß etwas Herrliches, wenn die Herzen unserer
Kinder warm werden, wenn ihnen Jesus in der Schule so nahe tritt, daß sie
freudig bekennen: „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete!"
Aber diese Wärme, die wir gelegentlich verspüren, ist doch noch nicht die Sache,
um die es sich handelt.
Woran sollen wir uns denn wenden? An das Gewissen und an den
Willen. Das sind die psychologischen Grundlagen für unsern Religions
unterricht; darin finden wir die Prinzipien des christlichen Lebens. Schärfung
des Gewissens, Anspannung des Willens — das ist es, worauf es in unserm
Unterricht zunächst und wesentlich ankommt. Nur auf Grund der Gewissens
anlage kann durch Wort und Geist der ewigen Wahrheit Selbst- und Sünden
erkenntnis, gewirkt werden. Und nur auf Grund des Willens, der durch Wort
und Geist der ewigen Wahrheit bestimmt worden ist, kann ich Jesum Christum
ergreifen als meinen Heiland und Erlöser. Dieses Ergreifen ist die That des
Glaubens. Das Evangelium ist seinem Wesen nach Einladung: „Kommt, denn
es ist alles bereit!" — „Willst du, oder willst du nicht?" Diese Entscheidungs
frage tritt an jeDen heran. Und sie wollten nicht kommen," heißt es im
Gleichnis. „Ihr habt nicht gewollt," klagt der Herr über die Bürger
Jerusalems. Dieses Nichtwollen ist die wahre Todsünde; es ist die Ursache
des Gerichts, das über den Unglauben ergehen wird.

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