Die Wirkung des Religionsunterrichts.
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seiner Seite war; dennoch bereitet er sich sorgfältig vor für den Streit. Er
wählt sich fünf glatte Steine. Er hätte sich ja mit einem begnügen kön
nen; aber nein: er wählt fünf — für alle Fälle.
Wenn wir nichts von Sieg merken in dem Kampfe, den wir in unserer
Schule zu kämpfen haben, dann liegt es wohl zum Teil an der Mangelhaftigkeit
unserer Vorbereitung und auch daran, daß es an der gläubigen Siegesgewißheit
fehlt. Ich möchte eine allgemeine und eine besondere Vorbereitung unter
scheiden. Sie hat es immer zu thun 1. mit der Lehrperson, 2. mit dem Lehrstoff.
Es ist meine Pflicht zu prüfen, ob Jehovah auf meiner Seite ist und sein
kann, ob ich bestimmt Sieg zu erwarten habe oder nicht. Und zweitens:
Suche und forsche ich fleißig und täglich in dem Wasser des Lebens nach Waffen,
die für den Kampf mit dem Riesen gebraucht werden können?
Und wenn ich an die besondere Vorbereitung denke, bin ich gewillt, alles
abzuwerfen, was mir meine Freiheit, Freudigkeit und Gewißheit rauben kann?
Bin ich bereit, allein im Namen Jesu zu kämpfen und mich von seinem Wort
und Geist leiten zu lassen, nicht aber von Menschenfurcht und Menschenweisheit?
Wende ich vor jeder Unterrichtsstunde allen Fleiß an, mir ein bestimmtes
Ziel vor Augen zu stellen und danach die geeigneten Steine auszuwählen? Das
sind ernste Gewissensfragen für mich und jeden andern Lehrer.
Und ferner: Wenn ich nun vor meine Klasse trete, denke ich dann wohl
daran, ob ich auch freie Bahn habe, ob mir die Herzen der Kinder offen stehen,
oder ob ein Bann da ist, der es mir unmöglich macht, im Namen Jesu zu kämpfen
und zu siegen? Da ist man vielleicht zornig gewesen und hat im Eifer einem
Kinde unrecht gethan. Ist es nicht ganz klar, daß wir uns dadurch ein Kindes
herz und vielleicht sogar viele oder alle Herzen verschlossen haben. Da gilt es
sich zu demütigen und sein Unrecht, je nach den Umständen, vor der ganzen
Klasse oder vor dem ungerecht behandelten Kinde zu bekennen und um Ver
zeihung zu bitten.
Und weiter: Haben die Kinder in der Religionsstunde die Empfindung:
Jetzt steht unser Lehrer auf der Höhe? Hier tritt sein Herz, sein eigentliches
Wesen, das Beste und Schönste, was er selber hat und kennt, in Erscheinung?
Merken sie, daß er seine Schuhe ausgezogen hat, daß er das Bewußtsein hat,
auf heiligem Boden zu stehen? Ist diese Stunde wirklich eine Stunde der
reinsten Freude und Erhebung für unsere Schüler? Wissen sie es: Hier braucht
man keine Furcht zu haben, hier ist kein Raum für rohe Gewalt, keine Stätte
für alles Gewöhnliche und Gemeine? Merken sie es: Das ist keine Drill- und
Dreschstunde? Hier kommt es nicht darauf an, daß eine Menge Gedächtnis
ballast eingepaukt wird? Aber die Revisionen! Was liegt daran, wenn schließlich
auch nicht alles „sitzt". Man kann uns deswegen tadeln. Gut! Es ist
besser, daß ich in jedem Jahre einmal leide, als daß meine Kinder jeden
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