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I. Abteilung. Abhandlungen.
Tag leiden. Doch ich weiß es auch: Es giebt Revisoren, die nicht tadeln,
wenn es s o gemacht wird. Sie merken die Absicht und werden nicht verstimmt.
Aber man soll nur ja nicht meinen, daß durch geschraubte, salbungsvolle Redens
arten und sentimentales Geschwätz etwas erreicht wird. Unsere Schüler sollten
merken: Wahres Christentum ist eigentlich das Allernatürlichste, was es auf
dieser Welt giebt. Es entspricht dem tiefsten Bedürfnis des menschlichen Wesens;
es ist eigentlich ganz unnatürlich, daß man friedlos in der Fremde umherirrt,
daß man nicht heimgeht ins Vaterhaus, daß man eine so unermeßliche Liebe, die
uns erschüttern und ergreifen sollte bis in den Grund unserer Seele, so kalt
herzig von sich stößt. Daß wir glauben und beten ist eigentlich so natürlich
und selbstverständlich wie Essen, Trinken und Atmen. Aber: sie haben Augen
und sehen nicht, Ohren und hören nicht." Und weil das Christentum eine so
natürliche Sache ist, darum soll man in schlichtem, natürlichem Ton mit den
Kindern reden. Daß seine gewisse Wärme in diesen Ton kommt, ist doch ganz
selbstverständlich, wenn in unserm Herzen das heilige Feuer brennt, das Jesus
anzünden wollte auf Erden, wenn unser Mund von dem überfließt, des dack
Herz voll ist.
Sollte nicht unser Religionsunterricht wirklich an Kraft und Wahrheit ge
winnen, wenn wir mehr die praktische als die logisch-formalistische Seite ins
Auge fassen wollten?
Ich hoffe vor dem Irrtum geschützt zu sein, als wäre ich der Ansicht, daß
man sich im Grunde genommen gar nicht um Methodenfragen zu bekümmern
brauchte. So ist es nicht gemeint, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß im
Religionsunterricht die Lehrperson wichtiger ist als die Lehrmethode. Ich bin
durchaus mit Dörpfeld einverstanden, wenn er behauptet, daß eine gute Theorie
das praktischste sei, was es giebt. Aber eine gute Methode ist keine Zwangs
jacke, und es ist keine Schablone. Eine Methode, die mich nicht frei macht,
sondern knechtet, soll ich in den Winkel werfen. Die Dörpfeld'sche Trias: An
schauung, Denken, Anwenden sagt mir genug. Wer sie wirklich versteht
und danach thut, der ist meines Erachtens ein ausgezeichneter Methodiker und
Praktiker.
2. Die Lehrmethode hat einen Lehrstoff zur Voraussetzung. Auch damit
haben wir uns zu beschäftigen.
a) Die Heilsgeschichte ist die Grundlage unseres Religionsunterrichts. Von
dem Stoff, den wir zur Zeit aus diesem Gebiete vorzuführen haben, werden
wir kaum etwas entbehren können und wollen. Ich bin aber zu der Über
zeugung gekommen, daß die Anordnung des Stoffes nach konzentrischen Kreisen
vom Übel ist. Ich habe mich darüber geäußert in einem Vortrage aus der vor
jährigen Oberhausener Weihnachtskonferenz, der in der Ev. Volksschule zum
Abdruck gekommen ist, und will darum hier nicht näher auf diese Sache ein-

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