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I. Abteilung. Abhandlungen.
Ich möchte diesen 2. Teil einer Lektion dev praktischen Teil nennen,
c) Als drittes und letztes didaktisches Moment kommt für mich in Betracht
die Bezeugung und Bekräftigung der praktischen Wahrheit. Man mag
zu diesem Zwecke die eigene und fremde Erfahrung, Sprüche und Liedverse
heranziehen. Sprüche und Verse sind ganz besonders geeignet, der erkannten
Wahrheit eine bestimmte und treffende Form zu geben.
Das ist so im allgemeinen der Gang einer Lektion, wie er mir vorschwebt.
Dabei kommt alles zu seinem Rechte: 1. der Verstand (theoretische Wahrheit),
2. Herz und Gewissen (praktische Wahrheit), 3. das Zeugnis der Wahrheit (zur
Vertiefung und Verstärkung des Eindrucks).
Es ist jedenfalls von der größten Wichtigkeit, daß jeder sich darüber klar
werde, was der Religionsunterricht soll, und daß er seiner Meinung innerlich
gewiß werde. Hat jemand eine wohlbegründete religiöse und pädagogische Über
zeugung, dann wird sich die Methode von selbst ergeben, dann wird er vor allen
Dingen Freiheit beanspruchen und sich innerlich gegen jeden methodischen Forma
lismus auflehnen, der mit apodiktischen gesetzlichen Forderungen an ihn herantritt.
b) Des Katechism us ist gedacht als das Bekenntnis der Ge
meinde oder genauer gesagt: einer bestimmten Kirchengemeinschaft. Er soll
1. verbinden und 2. scheiden. Ob ein Bedürfnis für diesen Doppelzweck vorlag
oder vorliegt, ob er erreicht worden ist und erreicht wird, ob eine genau fixierte
Bekenntnisnorm (nach der objektiven und subjektiven Seite) den Grundprincipien
der evangelischen Kirche (Gewissensfreiheit und Schriftautorität) entspricht, sind
Fragen, die ich nicht zu beantworten habe. Soviel ist mir gewiß: Die Ver
fasser unserer Katechismen besaßen gewisse Heilserfahrung und Heils
erkenntnis.. Sie konnten nur darum Heilserkenntnis haben, weil sie
Heilserfahrung besaßen.
Der Katechismus bringt also das zum Ausdruck, was lebendige Christen
erfahren und erkannt haben. Das Katechismusbekenntnis gründet sich also
auf persönliche Heilserfahrung und hat nur die innere Wahrheit und
Berechtigung, wo eine entsprechende persönliche Erfahrung vorhanden ist. Ohne
diese Voraussetzung schwebt das Bekenntnis, ohne sie schwebt auch unser Katechismus
unterricht völlig in der Luft, ohne das ist eine Erfassung der wesentlichsten
Katechismuswahrheiten nicht möglich. Ist diese Erfahrung, wenn wir an Lehrer
und Schüler denken, wohl in der Regel vorhanden? Die Antwort kann meines
Erachtens nicht zweifelhaft sein. Ist es nun pädagogisch richtig oder zulässig,
Dinge an die Kinder heranzubringen, für deren Erfaffung die notwendige Voraus
setzung fehlt? Ist es nicht ein Verbalismus schlimmster Art, wenn man Wahr
heiten , die reise Männer in ernsten inneren und äußeren Kämpfen müssen
errungen und erfaßt haben, unmündigen Kindern fix und fertig und als maß
gebende Glaubensnorm darbietet. Muß da nicht mit Notwendigkeit eine Ab-

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