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I. Abteilung. Abhandlungen.
sagt Jesus, „ein Feuer anzuzünden auf Erden. Was wollte ich lieber, denn es
brennete schon!" Dieses Wort gilt auch für die Lehrer und Schüler. „Ach,
daß doch bald dein Feuer brennte!"
Dieses heilige Pfingstfeuer ist eben der Geist von oben, nicht der Buch
stabe. — Wie lange werden wir noch den Katechismus treiben müssen? Ich
weiß es nicht. Aber eins glaube ich zu wissen, und ich fühle mich in meinem
Gewissen verpflichtet, es zu sagen: Der Katechismu s unter richt ist die
größte pädagogische Berirrung der evangelischen Kirche und Schule?)
c) Das Kirchenlied. Auf der Oberstufe müssen im ganzen 20 ganze Lieder
gelernt (davon 9 als Wiederholung) und dazu noch 10 Lieder gelesen und erklärt
werden. Wenn wir die Lieder durchsehen, ergiebt sich, daß im ganzen 240
Strophen zu behandeln und davon 167 zu memorieren sind. Daß unter diesen
Strophen manches Mittelmäßige ist, was wir gut entbehren könnten, wird nie
mand bestreiten können. Ich weiß allerdings auch, daß unter den auserwählten
Liedern einige sind, von denen wir gewiß keinen Vers preisgeben möchten. Aber
es gilt keineswegs von allen. Wir finden dagegen in manchen Liedern unseres
Gesangbuches, die mir als Ganzes nicht gebrauchen wollen und könnten, einzelne
Strophen, die nach Form und Inhalt vortrefflich sind. Warum sollten wir sie
nicht aus dem Ganzen herausnehmen und verwerten? Es handelt sich doch vor
allen Dingen um den praktischen Zweck. Und dieser Zweck wird in der Regel
erreicht durch einzelne Strophen. Sie prägen sich fest unserm Gedächtniß ein,
werden bei passender Gelegenheit lebendig und geben uns Trost, Kraft und
Freudigkeit — kurz und bündig. Sie lassen sich auch bequem in den Gang
der Heilsgeschichte einfügen, machen eine separate Behandlung überflüssig, lassen
sich leicht bei passender Gelegenheit verwenden und wiederholen und gestatten eine
reichere und zweckmäßigere Auswahl.
Und ferner: Warum beschränkt man sich so ängstlich auf das eigentliche
Kirchenlied? Warum sollen wir vorbeigehen an dem volkstümlichen geistlichen
Lied? Ich nehme an, daß der Anhang unseres Gesangbuches mit den 43 schönen
geistlichen Liedern auch für die Schule da ist. Es sind darunter wahre Perlen
der geistlichen Lyrik. Wir sollen morgen einen Vortrag über volkstümliche Bil
dung hören. Ich denke: Volksschule, Volksschullehrer und volkstümliche Bildung
gehören zusammen. Sollte es nicht gut sein, auch den Religionsunterricht
daraufhin anzusehen, ob nicht mehr Beziehungen zu dem christlichen Volksleben
9 Anmerkung der Schriftleitung. Der Verfasser hat hier absichtlich scharf pointiert.
Meine jetzt in 3. Aufl. neu bearbeitete Schrift: Ein Wort zur Katechismus
frage (vgl. Nr. l, des Schulblattes in d. I. S. 43) zeigt, daß man von denselben
Grundsätzen ausgehen kann, zu denen der Herr Verfasser sich hier so eindrücklich bekennt,
und doch zu einer etwas anderen Wertung des Katechismusunterrichts gelangen kann.
von Rohden.

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