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I. Abteilung. Abhandlungen.
sprechung, Erklärung oder poetischen Ausmalung bedürfen, wenn die unerläßliche
Voraussetzung für das Verständnis und für eine wahre und tiefe Empfindung
erfüllt werden soll. Das Mehr oder Weniger dieser Behandlung muß sich in
jedem einzelnen Falle aus der besonderen Natur des Liedes und dem geistigen
Standpunkte der Kinder ergeben, uud der pädagogische Takt des Lehrers muß
hier das Richtige treffen.
Es würde hier zu weit führen und vom Thema abschweifen lassen, wenn
die Behandlung des Volksliedes außer den vorstehenden allgemeinen Bemerkungen
eingehender ausgeführt werden würde; aber ich kann es mir nicht versagen, einen
Gedanken empfehlend zum Ausdruck zu bringen, welchen Otto Schulze in dem
Aufsätze über die Behandlung deutscher Gedichte (Langensalza 18949 ausspricht
und den Eduard Förster in dem Buche: „Das Volkslied in der Volksschule"
(Breslau, Ferd. Hirt), zur praktischen Durchführung bringt, nämlich: die Zu
sammenstellung und Verbindung verwandter Lieder beim Unterrichte, oder kurz
gesagt: Die gruppenweise Behandlung der Gedichte. Wenn z. B.
das schöne Volkslied: „Zu Straßburg auf der Schanz" mit dem schweren Kon
flikte zwischen strenger Soldatenpflicht und Liebe zur Heimat zur Behandlung
steht, so rücke man Uhlands „guten Kameraden" vor das geistige Auge, und cs
prägt sich das Gefühl der Pflicht und der Treue gegen das Vaterland unaus
löschlich ein. Daran schließt sich ganz unvermittelt das Chamissosche Gedicht
„der Soldat" an, in welchem ehrlose Fahnenflucht blutige Sühne findet, aber auch die
Freundestreue einen herrlichen Triumph feiert. Will man diese Gedankenreihe
weiter verfolgen, so stellen sich ganz ungesucht noch folgende Lieder ein: „Ein
getreues Herze wissen" (Fleming), der Liebe Dauer: ,,O lieb, solang du lieben
kannst rc." (Freiligrath) u. s. w.
Ähnliche Gruppierungen ergeben sich bei andern Gedankenkreisen, z. B.
beim Scheiden des Winters und der Ankunft des Lenzes, bei Sommer und
Winter, Morgen und Abend, Saat uud Ernte, Tod und Leben, bei Eltern-
treue und Kindesliebe, bei Heimat und Fremde u. s. w. Der Wert dieser
Gruppierung liegt einerseits darin, daß ein allseitigeres und tieferes Verständnis
erschlossen wird, dann aber auch reiche Gelegenheit zur Wiederholung früher ge-
ernter Lieder und Gedichte sich darbietet (immanente Repetition). Nachstehende Auf
stellung möge das Gesagte weiter exemplifizieren:
1. Schäfers Sonntagslied (Uhland). Anschlußsto ffe: Der
Sonntag (Hey); Es tönet über das weite Feld (Löwenstein); Der Sonntag ist
gekommen (H. v. Fallersleben).
2. Der Wanderer in der Sägemühle (Kerner). Anschluß '
stoffe: Droben stehet die Kapelle (Uhland); Morgenrot, leuchtest mir zum
frühen Tod (Hauff); Es ist ein Schnitter, der heißt Tod (Volkslied); Wanderers
Nachtlied und: Uber allen Gipfeln ist Ruh (Goethe).

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