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I. Abteilung. Abhandlungen.
einräumen. Es war mir ein besonderes Anliegen mit solchen die Sache zu
besprechen, und immer wieder wurde es mir bestätigt: Es ist zu viel. Was ist
die Folge? Man möchte gern leisten, was vorgeschrieben ist, kann es aber nicht
so, wie es die pädagogische Überzeugung fordert. Der innere Konflikt ist da,
die Freudigkeit leidet darunter. Man seufzt unter der Arbeit, und das ist
wahrlich nicht gut. Eine Revision des Stoffes ist darum nach der quantitativen
Seite dringend nötig. Würde man die konzentrische Stoffanordnung fallen lassen,
so würde schon dadurch eine gewisse Erleichterung erzielt werden. Welche Er
leichterungen ich außerdem noch für möglich und wünschenswert halte, habe ich
bereits angedeutet.
Es wird freilich auch nötig sein zu prüfen, ob wir etwa selbst daran schuld
sind, daß wir den vorgeschriebenen Stoff nicht bewältigen können. Ich bemerkte
schon, daß ich an Lehrer denke, die nicht dem biblischen Christentum innerlich
entfremdet sind, sondern die gern Jesum Christum als ihren Herrn und Heiland
in der Schule verherrlichen wollen. Gerade solche Lehrer sind, wie ich aus
eigener Erfahrung weiß, geneigt, allzusehr in die Tiefe und vielleicht auch noch
in die Breite zu gehen. Dann ist es ja freilich kein Wunder, daß wir nicht
den Lehrstoff überwältigen, sondern er uns überwältigt. Darum möchte ich
empfehlen, doch bei Behandlung der biblischen Geschichten in der Regel nur
einen (und zwar wenn eben möglich praktischen) beherrschenden Betrachtungs
punkt ins Auge zu fasten, etwa im Anschluß an eine bestimmte Frage. Das
giebt der ganzen Stunde ein bestimmtes Gepräge, bewahrt vor zerstreuenden
Abschweifungen und bereitet eine konzentrierte, intensive Unterrichtsweise. Aber
auch dann, wenn wir uns einer knappen Unterrichtsweise befleißigen, ist diese
Stofffrage noch nicht erledigt.
III.
Zum Schluffe will ich noch einige Punkte berühren, die gleichfalls für den
Erfolg des Religionsunterrichtes von Bedeutung sind.
1. Es ist eine bedauerliche Thatsache, daß in vielen Fällen die erziehlichen
Einwirkungen der Schule und der Familie sich nicht in derselben Richtung gel
tend machen. Was ist da zu thun? Es ist schon viel gewonnen, wenn die
Eltern uns Vertrauen oder doch wenigstens Achtung entgegenbringen. Diese
Dinge werden meines Erachtens nicht dadurch erworben, daß man von einer
Kaffeevisite zur andern wandert oder dadurch, daß man allen möglichen Vereinen
angehört und wo möglich noch einige neue gründet. Ich weiß auch, daß wir
es nicht allen Leuten recht machen können und sollen. Aber das sollte doch jeder
fühlen, daß wir von ganzem Herzen sein wollen christliche Volksschullehrer,
keine Elementarlehrer, die nichts Höheres kennen, als die Elemente der Kultur
zu vermitteln und die nichts mehr wünschen, als daß unsere Volksschulen
Vorschulen werden möchten. Ich habe das Bewußtsein, daß ich als christ-

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