Die Wirkung des Religionsunterrichts.
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licher Volksschullehrer besonders denen nahetreten sollte, die in harter Arbeit sich
ihr bescheidenes tägliches Brot erringen müssen, daß da, wo Jammer und Elend
wohnt, auch für mich etwas zu thun ist. Oder entspricht das nicht der Lehre
unseres Erlösers. Er hat sich der Mühseligen und Beladenen, der Zöllner und
Sünder angenommen und sich nicht denen an die Rockschöße gehängt, die Geld
und Ansehen hatten, um Ehre und gute Tage zu haben. Die Lehre Christi
wäre wirkungs- und wertlos gewesen ohne das Leben Christi. So ist es
heute noch.
2. Es ist ferner wichtig, daß au den mehrklassigen Schulen das Lehrer
kollegium getragen wird von dem Geiste gegenseitigen Vertrauens und Wohl
wollens, daß man sich über die zu lösende Aufgabe klar geworden ist, daß man
sich bemüht, in derselben Richtung erziehlich thätig zu sein, daß die persönlichen
und amtlichen Beziehungen nicht ein Hohn sind auf die elementarsten Grundsätze
des Christentums, die wir vielleicht im Religionsunterricht so schön vorzutragen
wissen. Wenn es im Kollegium nicht stimmt, dann ruht ein Bann auf der
ganzen Erziehungsarbeit. Wenn so ein rechtes Spürsystem da ist, dann wird
man sich wohl doppelt und dreifach in acht nehmen, daß doch ja in Bezug auf
die in die Augen fallenden Dinge innerhalb und außerhalb der Schulräume kein
Anstoß gegeben wird. Aber der ganzen Arbeit fehlt der warme Pulsschlag des
Herzens und darum ruht kein Segen darauf. Je größer das Schulsystem ist,
desto schwieriger muß es naturgemäß sein, die wünschenswerte Einheit herzustellen.
Diese Wahrheit spricht jedenfalls nicht zu Gunsten der sogenannten Schulkasernen.
3. Auch darauf ist zu achten, ob nicht etwa die verschiedenartigen Stoffe,
die dem Gebiete des Gesinnungsunterrichts angehören, die biblisch-christliche Lebens
anschauung vermissen lassen. Besonders liegt die Gefahr nahe, daß durch den
belletristischen Teil des Lesebuches Anschauungen in die Schule hineingetragen
werden, die wir nicht als christliche bezeichnen können. Am besten ist es, solche
Stoffe nicht zu behandeln. Soll es geschehen, so haben wir einfach die Pflicht,
die Sache kurz und bündig richtig zu stellen und es nicht den Kindern zu über
lassen, wie sie mit offenbaren Widersprüchen fertig werden wollen. Im übrigen
ist es nicht meine Meinung, daß man sittliche und religiöse Gesichtspunkte in
alle Unterrichtsgebiete hineinzerreu soll.
Ich bin am Schluß meiner Ausführungen angekommen. Ansang und
Ende sollen sich die Hände reichen. Wo der Schwerpunkt dieser Arbeit zu
suchen ist, dürfte wohl jedem klar geworden sein. Wie herrlich wäre es. wenn
der Pfingstgeist, der Geist der Wahrheit und der Kraft, neues Leben und
Streben in unserm Verein und im ganzen Lehrerstande schaffen würde! Dann
würde man die Wirkung bald verspüren in den Schulen und Familien, in Ge
meinde, Staat und Kirche, dann würde mancher böse Geist aus unserm Volks
leben weichen müssen.

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