Rundschau.
391
Wie weit die Empfindlichkeit bei einzelnen unsrer Standesgenossen mitunter
geht, zeigt eine Briefkastenbemerkung der trefflichen Zeitschrift „Der Türmer",
die wir zu Nutz und Frommen unsrer Leser hier wiedergeben wollen:
A. R. W. (H). Sie haben den Ausdruck „schulmäßig-trocken" in der
Kritik von Dr. F. Knauer (Maiheft S. 187) leider ganz falsch verstanden.
Der Ausdruck hat mit Volksschule und Schulunterricht überhaupt nichts zu thun.
Er bezieht sich vielmehr auf die Art der alten Gelehrtenschulen, mit einer
Pedanterie ohnegleichen schriftlich und mündlich Fragen der Wissenschaft zu er
örtern. Warum zeigen gerade so viele Vertreter des Volksschullehrerstandes diese
nervöse Empfindlichkeit, wenn es sich um längst historisch gewordene Begriffe wie
„schulmeisterlich" u. dergl. handelt? Fällt es denn einem Vertreter des Gelehrten
standes ein, sich persönlich getroffen oder in seiner Standesehre verletzt zu fühlen,
wenn von „Gelehrtendünkel", oder der Beamtenschaft, wenn von „subalterner
Gesinnung", des Kaufmannsstandes, wenn von „Krämerseelen", des Handwerker
standes, wenn von „handwerksmäßig" mit der Nebenbedeutung des Schablonen
haften und Kunstwidrigen die Rede ist? Oder auch selbst dem auf Wahrung
seiner Berussehre doch gewiß bedachten Offizier, wenn er den „patenten" oder
„schneidigen" Leutnant karikiert sieht? Das echte Selbst- und Standesbewußtsein
sollte von solcher Empfindlichkeit nichts wissen. Also nichts für ungut und
freundlichen Gruß!
Soweit der „Türmer", dem wir durchaus zustimmen. Es ist kaum be
greiflich, daß Kollegen, die wie der hier abgefertigte A. R., nicht fühlen, daß
sie ihren Stand vor der Öffentlichkeit blamieren, wenn sie in dieser Weise für
ihre angeblich beleidigte Standesehre eintreten. Übrigens läßt sich doch auch
einiges zur Entschuldigung solchen Benehmens anführen. Der Lehrerstand als
solcher ist noch recht jung, er ringt noch um seine Anerkennung, und es wird ihm
vieles angehängt, was einer längst entschwundenen Zeit angehört. Das macht es
erklärlich, daß er sich in seiner Standesehre leicht verletzt fühlt. Aber wenn es
auch erlkärlich ist, so liegt darin doch keine Rechtfertigung, und wir sollten uns
nach Kräften bemühen, ein Verhalten zu vermeiden, das uns leicht in den Augen
anderer lächerlich macht.
Lehrer im Schulvorstande. Die Regierungsmaschine scheint in Preußen
recht langsam zu arbeiten. Vor etwa einem halben Jahre hat der Kultusminister
die Regierungen aufgefordert, darauf zu dringen, daß überall die Lehrer ange
messen in den Schulvorständen und Deputationen vertreten seien. Bis jetzt haben
aber erst, so viel uns bekannt, die Regierungen zu Frankfurt a. d. O. und
zu Köln der Aufforderung entsprochen. Als dritte ist nun auch Düsseldorf
hinzugekommen. Wie die Zeitungen berichten, hat Regierungspräsident von
Holleuffer an die Landräte und Oberbürgermeister eine Verfügung gerichtet, wonach
die Aufnahme eines Rektors oder Lehrers in die Schuldeputation oder
in den Schulvorstand jetzt überall zur Durchführung zu bringen. Binnen 8
Monaten müssen die Behörden das Erforderliche anordnen und über das Veranlaßte
berichten. Wie der Schulvorstand ohne Lehrer mitunter arbeitet, darüber berichtete das
„Volk" kürzlich ein ergötzliches Stücklein. In einem Dorfe unweit Schilda (in
Wirklichkeit war es im Siegerlande) mietet der Schulvorstand in Ermangelung
eines Klassenzimmers von einem Privatmann eine große Stube, damit dort
Schule gehalten werde. Hinterher, d. h. nach Abschluß des Vertrags, fragt
man auch so nebenbei und mehr zufällig, wie stark die Klasse sei, die dort ein
ziehen soll, und stellt nun fest, daß nur die gute Hälfte der Schüler Platz finden
27*
«

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.