III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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einer Menge anderer Stellen. Nur 2 Proben. Die Person Hiobs ist eine historische
aus der Zeit der Patriarchen, denn Hiob war, wie die Erzväter, ein Nomadenfürst,
er verehrte denselben Gott, er hatte die übrigen patriarcharlischem Sitten, „über die
Ursache des Leidens, welche (!) Gott den Frommen auferlegt, herrschten im Alten
Testament (!) drei Meinungen. 1. Tie Kinder Gottes sahen das Leiden als Strafe einer
besonderen Sünde an. 2. Die Getroffenen verfallen in Mißglauben, Verzweiflung und
verfluchen Gott. 3. Die Gottlosen sahen die Leiden der Frommen als eine Niederlage
an. So ist es jedoch nicht, denn Gott sendet nicht Straf-, sondern Prüfungs- und
Läuterungsleiden". Die Logik und Theologie dieser Darstellung ist gleich bemerkenswert.
Wenn die Bibel, wie das Vorwort so poetisch sagt, der Wald ist, „aus welchem alle
Blümchen für unser Glaubensleben (Biblische Geschichte, Katechismus u s. w./' gepflückt
sind," so sollte sich in diesem „Wald" niemand zum Führer anbieten, der nicht wirklich
gründlich bewandert ist. Dazu gehört aber etwas mehr als das Studium der Vorträge
des Provinzialschulrates Friese, der Kurzgefaßten Einleitung in die heiligen Schriften
von Weber und des gewiß ganz vorzüglichen Calwer Bibelwerkes. Wenn das Alte
Testament auf unseren Seminaren so behandelt wird, so ist das ja für Lehrer und
Lernende außerordentlich bequem, aber zugleich ein sicheres Mittel, den bibelkundlichen
Unterricht letzteren gründlich zu verleiden. Ein bisher übersehenes Blümlein aus jenem
„Walde", das Bamberg entdeckt hat, möge die Leser zum Schluß erfreuen. .Salomo
starb mit den Worten: Es ist alles eitel auf dieser Erde."
Triloff, Seminar-Oberlehrer in Pyritz, die neuen Perikopen des Kirchenjahres schul
gemäß erklärt. I. Teil. die neuen evangelischen Perikopen schulgemäß erklärt und
zugleich als Beitrag zur Behandlung der biblischen Geschichte dargeboten. Leipzig,
Dürrsche Buchhandlung. 214 S. 2,50 M.
Abgesehen von den Paralleltexten für den Sonntag nach Weihnachten und für das
Himmelfahrtsfest, sowie der zweiten Textreihe der Passionszeit und den Perikopen für
einzelne nicht überall kirchlich gefeierte Festtage sind die neuen Eisenacher evangelischen
Perikopen vollständig behandelt. Der Stoss der Entwürfe ist der Klarheit und Über
sichtlichkeit wegen nach formalen Stufen gegeben, obwohl der Verfasser zugeben muß,
daß die Vergleichung des Stoffes mit ähnlichen, die Herausstellung der Nebensysteme
und die mannigfaltige Anwendung sich in dem Rahmen einer Perikopenhalbstunde nicht
ermöglichen läßt. Die Beziehung zum altkirchlichen Evangelium bietet sich ja vielfach
von selbst dar, dagegen führt die Heranziehung der neuen Eisenacher Episteln entschieden
zu weit. Denn teils besteht eine solche Beziehung, wie der Verfasser bald schweigend
bald ausdrücklich zugeben muß, überhaupt nicht, teils ist sie nur mit großer Künstelei
herzustellen, und auch da, wo sie wirklich vorhanden ist, fehlt es den Kindern an ihrer
Kenntnis oder ihrem Verständnis. Ganz anders liegt die Sache, wenn man diePerikopen
in der Kirche behandelt und zwischen der schon verlesenen Altarlektion und dem Predigt
text Parallelen sucht. Bei einer Behandlung jener Abschnitte als biblischer Geschichten
fehlt natürlich jede Veranlassung zu derartigen Vergleichen. Das alte herrliche Weih
nachtsevangelium wird hoffentlich auch fernerhin in allen Schulen an Stelle der in so
vielfacher Beziehung schwierigen neuen evangelischen Abschnitte für den ersten und
zweiten Weihnachtstag bleiben. Auch das Lätareevangelium scheint uns für die Volks
schule zu hoch. Im übrigen kann man nur sagen, daß der Verfasser seiner Ausgabe mit
gründlicher Sachkenntnis auf theologischem wie pädagogischem Gebiete gerecht ge
worden ist. Wer ein Hülfsmittel für den in Rede stehenden Zweck sucht, greife getrost
zu diesem Buche, er wird in ihm einen vortrefflichen Berater finden. Daß Entwürfe,
nicht ausgeführte Unterredungen geboten werden, halten wir für einen weiteren Vorzug.
Alttestamentliches Lesebuch, für den Schulgebrauch bearbeitet von vr. H. Meitzer. 199
S. Dresden, Bleyl und Kämmerer.
Über die Auswahl und Anordnung dieses Lesebuches hat sich der Verfasser im 12.
Heft der Beitrüge zur Lehrerbildung ausführlicher verbreitet (das Alte Testament im
christlichen Religionsunterricht. Gotha. Thienemann. 2,40 M). Der Religionsunterricht
beginnt nach einem kurzen Vorkursus der für die Kleinen passenden Jesusgeschichten mit
dem Alten Testament, auf das 3—4 Jahre zu verwenden sind. „Das Durcheinander vvn
Altem und Neuem Testament in konzentrischen Kreisen ist nicht bloß eine unbegreifliche
Verständnislosigkeit gegenüber der Bedeutung dieser beiden Offenbarungsurkunden, sondern
auch eine unverzeihliche Beeinträchtigung des religiösen Interesses der Kinder." So
ergiebt sich ihm folgender Stufengang. Im ersten Jahre einfachste Jesusgeschichten,
im zweiten die Patriarchen, im dritten Moses und die Richterzeit, im vierten die Könige,

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