III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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durch neubelebten messianischen Hoffnung, dann bietet es unter der Überschrift „jüdische
Frömmigkeit" Psalm 103 u. 8, die Erschaffung des Menschen, die Schöpfung der Welt,
das Lob der tugendsamen Hausfrau, der Faule (Prov. 6, 6—11), endlich Psalm
1 und 139. Die Schöpfung hält der Verfasser für die Durchnahme mit den Kleinen für
zu schwierig, sein Urteil dürfte nicht allgemeine Billigung finden und mit durch die
Weglassung der übrigen Stoffe der Urgeschichte beeinflußt sein, jedenfalls würden wir
das Loblied auf Gottes Gnade und Güte und den Lobpreis des Schöpfers dann hinter
die Schöpfungsgeschichte stellen. Die beiden Berichte der Schöpfung in Gen. l und 2
werden immer ihre Schwierigkeit behalten, solange man harmonisieren will; ohne Gewalt
geht das nicht und ist nur aus pädagogischen Gründen für eine bestimmte Stufe zu
rechtfertigen. Was mit der hier vorgenommenen Umstellung von Gen. 2 vor Gen. l
gewonnen werden soll, ist dem Referenten nicht klar geworden. Bei aller Anerkennung
des durchaus praktischen Charakters der jüdischen Frömmigkeit wird man das Lob der
tugendsamen Hausfrau seines markanten religiösen Schlusses wegen zwar hier nicht be
anstanden, aber das Bild des Faulen (Prov. 6, 6 — 11) in diesem Zusammenhang
(es folgen noch Psalm und 139) unbedingt ablehnen. Biele werden manches Andere ungern
vermiffen; bald gehört es zu dem allgemeinen religiösen Sprachgut unseres Volkes, bald
ist es wegen der neutestamentlichen Beziehung und homiletischen Verwertung schwer zu
entbehren. Ich nenne Abel, Noah, Lots Weib, Melchisedek (obschon Psalm no im
Lesebuche steht), die Himmelsleiter, den Gebetskampf Jakobs u. a. Es unterliegt keinem
Zweifel, daß hier nicht nur pädagogische, sondern auch theologische Rücksichten bestimmend
waren. „Der Traum von der Himmelsleiter endigt mit einem Ausspruch von recht
grobem Eudämonismus, während der sehr dunkle Nachtkampf von Pniel auf eine höchst
gleichgültige Bestimmung über das Koschere hinausläuft." Was die Form der Geschichten
anlangt, so ist mit vorsichtiger Hand mancher Stein des Anstoßes hinweggeräumt und
auf gutes Deutsch und schlichten Satzbau besonderer Wert gelegt. Die Sprache Kanaans
ist ganz vermieden. Die Geschichte Sauls machte in ihrem Anfange und dem tragischen
Wendepunkte bisher Lehrern und Schülern viel zu schaffen, kostbare Zeit wurde nutzlos
vergeudet, denn Klarheit war nicht zu erreichen. Meltzer hat den angeblichen Widerspruch
Samuels, die ganz unmögliche Königswahl durchs Los, endlich die Entzweiung Samuels
und Sauls weggelassen, auch die Hexe von Endor fehlt. So tritt das Bild dieses ersten
Königs in Israel mit seinem glorreichen Anfang und seinem ergreifenden Ende auf
Grund der ursprünglichen Überlieferung klar und anschaulich hervor. Möchte dieser
Vorgang in allen biblischen Geschichten Nachfolge finden!
Mehrfach hat der Verfasser den Grundtext der Sprache Luthers vorgezogen. Bei
aller Billigung, dieses Grundsatzes wird man doch oft anders urteilen. Gen. 22, li
durfte das „Versuchen" oder „prüfen" nicht fehlen; Gen. 24, 56; 32, li; 32, 36,
Psalm öl und 103, Jes. 54, 10 und solche Stellen, die zum unverlierbaren religiösen
Sprachgut unseres Volkes gehören, sollten von jedem Versuche einer Änderung
auch schon deshalb ausgeschlossen bleiben, weil Luther hier thatsächlich den Grundtext
vortrefflich übersetzt hat und weil mit einer wörtlichen Übertragung für ein befferes
Verständnis nichts gewonnen wird. Dasselbe gilt von der Stelle: Ziehe deine „San
dalen" aus. Josephs „Verkaufung" findet in einer 2. Auflage wohl die unvermeidliche
Korrektur, ebenso darf Luk. 2, 14 nicht nach der Vulgata übersetzt werden, solange
unsere Bibel schreibt: und den Menschen ein Wohlgefallen.
Die Sprüche unter den Geschichten sind nicht immer glücklich gewählt. Zur Aus
treibung der Hagar steht „ein jeder soll sein Gemahl lieben und ehren," zur Opferung
Isaaks paßt, besser das t. Gebot mit Luthers Erklärung, zumal es im Anfange der
Geschichte heißt: „Gieb dein Bestes und Liebstes dem Herrn hin für alle Wohlthaten,
die er an dir gethan hat:" auch Prov. 14, 31 unter der Geschichte „Joseph im
Gefängnis" wäre durch eine andere Stelle zu ersetzen.
In Summa, in der jetzigen Gestalt wird das Buch schwerlich Eingang finden;
vielleicht entschließt sich der Verfasser zu einer Umarbeitung, bei der seine vielen, un
leugbaren Vorzüge erst recht hervortreten würden.
Rostersdorf. Hollenberg.
Zur Schulgesundheitspflege.
Es gehört zu den erfreulichen Erscheinungen unserer Zeit, daß man auch der körper
lichen Pflege wieder mehr Beachtung schenkt als früher. Man sieht nicht nur die Aus-

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