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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
bildung des geistigen Lebens als Aufgabe der Schulerziehung an, sondern auch die
Körperpflege als gleichberechtigten Faktor in der kindlichen Entwicklung. Die Gesund
heit ist ein hohes Gut nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für die Ge
samtheit, das Volk. Das ist besonders in unserer Zeit bedeutsam, da der Wettbewerb
der Völker auf dem wirtschaftlichen Gebiete immer schärfer wird. Es ist keine Frage,
daß das Volk den Sieg davon tragen wird, das leiblich und geistig hervorragt, und
wenn es darum gelingt, die schlimmen Feinde der Menschen, die endemischen und epide
mischen Krankheiten zurückzudrängen, so ist damit dem Wohle des ganzen Volkes und
Vaterlandes ein großer Dienst erwiesen. Wieviel Elend richtet nur die eine Krankheit,
die Lungenschwindsucht, in unserem Lande an, wenn ihr jährlich etwa 1 Mill. Menschen
zum Opfer fällt! Und gerade ihr kann nur entgegengewirkt werden, wenn beizeiten
angefangen wird, wenn man auch schon bei der Jugend auf die Disposition dafür ein
Augenmerk hat und die bösen Einflüsse möglichst aus dem Wege zu räumen sucht.
Daß durch hygienische Maßnahmen etwas ausgerichtet werden kann, zeigt sich am
deutlichsten in unserem Heere. Von 1868—87 ist die Zahl der Erkrankungen um46».>,
die der Todesfälle um 54», 0 gesunken; am Typhus starben vor 25 Jahren etwa 7 mal
soviel Soldaten als gegenwärtig, wo durch die beflere Gesundheits- und Krankenpflege
in unseren deutschen Lazaretten über 1500 Mann am Leben erhalten bleiben, die früher
der Unkenntnis und Nachlässigkeit zum Opfer fielen. 9
Wollen wir aber Schulgesundheitspflege treiben, so müssen wir selber
orientiert sein, und leider ist in der bisherigen Ausbildung gerade darin wenig geschehen.
An den maßgebenden Stellen hat man diesen Mangel erkannt und schon bei den in
Berlin seit 1896 bestehenden höhern Fortbildungskursen der Hygiene einen breiten Naum
angewiesen, und in die neuen Pläne vom 1. Juli 1901 ist die Hygiene ausdrücklich als
Lehrgegenstand der Seminare mit aufgenommen. Zum Glück fehlt es aber gegenwärtig
auch nicht an Werken, die einigermaßen die Lücke ausfüllen und Anleitung zur praktischen
Gesundheitspflege geben können. Dahin gehört in erster Linie das Werk des bekannten
Schulhygienikers O. Janke in Berlin, z. Zt. auch Dozent für dieses Fach im staatl.
höheren Fortbildungskursus:
Grundriß der Schulhygiene. Für Lehrer, Schulaufsichtsbeamte und Schulärzte bearbeitet
von O. Janke. 2. Ausl. Pr. 5 M. Hamburg und Leipzig. Verlag von Leopold
Voß, 1901.
Das Werk verrät überall den erfahrenen Theoretiker und Praktiker, der sich mit
allen einschlägigen Fragen befaßt und dieselben nach dem gegenwärtigen Stande der
hygienischen Wissenschaft behandelt hat. Es wäre viel gewonnen, wenn die maßgebenden
Körperschaften und Behörden, die über die Ausführung der Schulbauten und Einrichtung
der Schulgebäude zu befinden haben, ein solches Werk als Ratgeber gebrauchen würden,
denn wenn diese beiden wichtigen Dinge nicht beachtet werden, können alle unsere Be
mühungen nur halben Erfolg haben. Janke behandelt zunächst den Bauplatz nach
seiner Bodenbeschaffenheit, Lage und Größe, dann das Schulgebäude nach seiner
äußern und innern Gestalt und Einrichtung, die Nebenanlagen, das einzelne
Schulzimmer, den Unterricht, den Schüler, die Er kr an kung en und Pfleg e
der einzelnen Organe und die wichtigsten Infektionskrankheiten. Auf den
300 S. wird ein außerordentlich reicher Stoff in klarer und streng sachlicher Weise be
handelt, so daß wir das Werk aufs wärmste empfehlen können, besonders sollte man
es auch an die Stellen heranzubringen suchen, die mit den Schulbauten und ihren Ein
richtungen zu thun haben.
Nutzen und Nachteile der Körperübungen. Nach einer im Jugendspiel- Unterrichtskurs
in Prag gehaltenen Vortragsreihe von Or. Theodor Altschul, K. K. Sanitätsrat.
Mit 9 Abbild, im Text. Hamburg, L. Voß; Pr. 1,50 M.
Nach kurzer Beschreibung des Knochengerüstes und der innern Organe bespricht Verf.
den Einfluß der Körperübungen auf dieselben. Er kommt zu dem Schluffe, daß zur
Kräftigung des Körpers die Übungen so ausgewählt werden müssen, daß sie sich nicht
auf einzelne Muskelgruppen beschränken, sondern den ganzen Körper inbetracht ziehen
müssen und vor allem die Atmung vertiefen helfen und die Blutcirkulation erhöhen sollen.
Bei aller Würdigung des gesundheitlichen Wertes der turnerischen
Körperübungen werden die Bewegungsspiele beider körperlichen
9 Bode, Dauer und Erhaltung des menschlichen Lebens. Leipzig, Duncker und
Humblot. Pr. 40 Pfg.

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