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I. Abteilung. Abhandlungen.
bezirkes oder der Provinz, sondern weit darüber hinaus im ganzen weiten deut
schen Lande ein fester Stamm von Liedern, ein gemeinsamer Liederschatz
den Kindern in der Schule zum sichern Eigentum überliefert werde. An diesen
eisernen Bestand soll die Schule zunächst gehalten sein, und nur da, wo es die
Rücksicht auf besondere örtliche Verhältnisie und besondere Veranlaffungen, auf
eigentümliche Schul- oder kirchliche Feste erfordert, mag Freiheit und Willkür in
der Wahl der Lieder .herrschen und das eine oder andere geeignete Lied diesem
festen Liederschätze beigefügt werden.
Da mithin noch eine gewisse Freiheit walten muß, ist die Anzahl der vor
geschriebenen Lieder angemessen zu beschränken, vor allem aber auch um des
willen , damit die Kinder innerhalb der getroffenen Auswahl durch vielseitige
Übung und Wiederholung die vollste Sicherheit erlangen und des angeeigneten
Liederschatzes als eines herrlichen Besitzes froh werden.
Viele Regierungen haben diesem Gedanken schon Rechnung getragen und
für ihren Bezirk bestimmte Lieder vorgeschrieben. Die Düsseldorfer Regierung
hat z. B. 58 Lieder ausgewählt und bestimmt; auch die Königl. Regierung zu
Cöln hat unterm 12. Okt. 1887, B. 21379, eine Anzahl von Liedern bestimmt,
die in allen Klassen memoriert und den Kindern ins Leben mitgegeben werden
sollen, und zwar für die Unterstufe 10 und für Mittel- und Oberstufe zu
sammen 15 Lieder. Für einen größeren Bezirk sind nun 40 Lieder (für jedes
der 8 Schuljahre 5) als eine genügende und ausreichende, aber auch erforderliche
Zahl der allgemein gesungenen Lieder anzusehen. Die Auswahl dieser 40
Lieder ist bei dem Reichtum an volkstümlichen Liedern nicht ganz leicht und
erfolgt am besten unter Hinzuziehung solcher Lehrer, die mit dem Volksliede sich
eingehender beschäftigt haben und an verschiedenen Orten des Bezirks wohnhaft
sind. Dringend zu wünschen ist, daß die Auswahl benachbarter Regierungs-
Bezirke eine gewisse Übereinstimmung zeige und so ein gemeinsamer Liederschatz
für das ganze deutsche Vaterland angebahnt werde.
Aus pädagogischen Gründen, sowie im Interesse der Verallgemeinerung des
Volksliedes muß ich die Einführung eines Schulgesangheftes zum
allgemeinen Gebrauch für notwendig halten, damit nicht nur die Lieder nach dem
Textinhalte, nach der Länge der Melodie und dem Tonumfänge, nach den rhyth
mischen und andern Schwierigkeiten auf die einzelnen Stufen und Klassen der
Volksschule richtig verteilt werden, sondern auch Lesart des Textes, Wahl der
Tonart und Tonlage und die kleinsten Einzelheiten der Melodie genau bestimmt
sind und überall in Übereinstinimung sich befinden. Das ist leider nach den
verschiedenen Liederbüchern nicht der Fall; man braucht sich daraufhin nur die
einzelnen Lieder anzusehen, beispielsweise: Deutschland über alles rc.
Und dieses allgemeine Liederheft möchte ich als obligatorisches Schul
buch in den Händen der Schüler wissen.

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