Zur Frage des deutschen Geschichtsunterrichts.
403
28*
Veranlassung, so eng als möglich zusammen zu gehen; wenn auch für sie das
getrennte Marschieren die unerläßliche Voraussetzung bildet, so bleibt doch unbe
stritten die Notwendigkeit bestehen, vereint zu schlagen.
Der Geschichtsunterricht wird im neuen Jahrhunderte sich immer mehr zu
einem der wichtigsten Mittel der nationalen, völkischen, deutschen, ganz- und
echtdeutschen Erziehung und Bildung auswachsen. Die Sozialpädagogik (Gemein
erziehungslehre), welche jetzt so oft gerühmt und bestritten wird, muß der
Nationalpädagogik weichen, der völkischen, deutschen Erziehung. Es ist das eine
von der gesamtgeschichtlichen Entwicklung bedingte Notwendigkeit, ein Gesetz der
Selbsterhaltung des Staates, an dessen Leistungskraft das angefangene Jahr
hundert ungeahnte, gewaltige Forderungen stellen wird, wovon uns die neu ent
fachte Polenbewegung einen kleinen Vorschmack geben kann.
Als in dem zur Neige gehenden 18. Jahrhunderte der Göttinger Geschichts
forscher Schlözer seine „Vorbereitung zur Weltgeschichte für Kinder" schrieb, als
ihm der sächsische Schulmann Dolz mit seinem „Leitfaden zum Unterrichte in der
allgemeinen Weltgeschichte für Bürgerschulen" folgte, als sich ihnen dann Bredow
mit seinen „merkwürdigen Begebenheiten aus der allgemeinen Weltgeschichte für
den ersten Unterricht in der Geschichte, besonders für Bürger- und Landschulen"
anschloß: da bot man fast durchgängig allgemeine Weltgeschichte, am aller
wenigsten aber deutsche Geschichte. Da war der Geschichtsunterricht nicht ein
Mittel zur Heranbildung von Deutschen, zur Herausarbeitung deutscher und
völkischer Gesinnung, Art und Sitte, sondern weit eher von Weltbürgerei
und andern Dingen. Warum war der erste Geschichtsunterricht so undeutsch, so
unvölkisch, so allgemein verblaßt und umrißlos? Weil es an einer wahren und
echten deutschen Geschichte fehlte. Wohl gab es den geographischen und bis
1806 auch noch den politischen Begriff Deutschland. x ) Aber was war dies
Volk der Dichter und Denker für ein elendes und mißachtetes Volk: Vom wirt
schaftlich nüchternen und erwerbseifrigen Auslande ward das deutsche Volk, das
sich in unfruchtbaren einzelstaatlichen Hadern verzehrte, nur als sein Haudegen
und Kulturdünger gewürdigt! Alle seine herrlichen Waffenthaten kamen anderen
Völkern zu gute. Der spanische Erbfolgekrieg brachte z. B. nur England riesen
haften Gewinn. Erst Friedrichs des Großen Siege ließen das deutsche Volks-,
Ehr- und Stolzgefühl wieder einmal emporlodern, und Gottsched, den Eugen
Reichel als den Deutschen nicht mit Unrecht feiert, konnte schon vor dem sieben
jährigen Kriege die Hoffnung aussprechen, daß das brandenburgische Haus berufen
sein werde, noch einmal der französischen Macht Grenzen zu setzen und die Vor
st Wie Bünger in seiner Entwicklungsgeschichte des Volksschullesebuches hervor
hebt, vermieden manche Lesebücher in der Zeit nach den Freiheitskriegen, das Wort
Deutschland anzuwenden.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.