Das Volkslied in der Schule.
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Zwar sollen die Kinder aus Kopf und Herz heraussingen; aber im häus
lichen Kreise, außerhalb der Schule, wird ein solches Buch unschätzbare Dienste
leisten, gute und edle Lieder allgemein zu verbreiten und alle Schundware zu
verdrängen.
In einem Anhange kann dieses Liederheft ferner die wichtigsten Elementar-
und Stimmübungen für den Schulgebrauch enthalten und auch unter Umständen
eine Anzahl weiter zu empfehlender Volkslieder darbieten.
Dieses Liederheft hat auch der Mehrstimmigkeit des Gesanges
Rechnung zu tragen. Es muß festgehalten werden, daß in der Volksschule der
zweistimmige Gesang die allein natürliche Mehrstimmigkeit ist. Das Volk
singt mit Vorliebe zweistimmig; man kann sogar sagen, daß man den Wert
eines Liedes für den Volksgesang daran prüfen kann, ob das Volk die zweite
Stimme instinktiv findet oder nicht. Was nicht zweistimmig gesungen wird, wird
selten oder nie zum Volksliede, nie zum Lieblinge des Volkes. Deshalb muß
der zweistimmige Gesang als Norm gelten und damit etwa im 5. Schuljahre
(unter günstigen Umständen frühestens im 4. Schuljahre) begonnen werden. Es
wird aber leider noch zu viel dreistimmig in den Volksschulen gesungen. Wieviel
Mühe, wieviel Zeit wird nicht oft auf den dreistimmigen Gesang verwendet!
Und der Erfolg? Bei irgend einem Feste wird damit paradiert, vielleicht auch
bei Prüfungen und Revisionen; aber der Volksgesang hat keinen Gewinn davon.
Einen Gewinn hat er nur vom zweistimmigen Gesänge.
Mit demselben Nachdruck muß auch betont werden, daß mit dem in unsern
Schulen leider noch viel zu viel üblichen bloßen mechanischen Singen nach
dem Gehör, oder kurz „Gehörsingen," endlich gebrochen werden muß. Wenn das
Singen nach dem Gehör allerdings aus der Unterstufe durch die Natur geboten
ist, muß aber doch schon hier der Grund zum bewußten Singen gelegt und
als Ziel die Forderung fest im Auge behalten werden, daß die Kinder der
Volksschule auf allen Stufen zur richtigen Auffassung der Intervalle und aller
sonstigen Tonverhältniffe angeleitet werden müssen. Dann erst wird der Gesang
unterricht rechte Früchte zeitigen. --
Endlich aber hat die Schule die Sangeslust und Sangesfreudigkeit unter
den Kigdern zu pflegen, indem sie von den eingeübten Liedern vielfältigen Gebrauch
macht. So kommt mit Bezug auf das Volkslied zu der Verbindung von Gesang-
und deutschem Unterrichte ein weiteres Moment, nämlich die reiche Verwend
ung und Verwertung der Volkslieder im gesamten Schulleben
und Schulunterrichte. Es darf nicht nur in der Gesang st unde
gesungen werden, sondern es muß immer und immer wieder aus den eingeübten
Liederschatz zurückgegriffen werden, so oft sich nur eine Gelegenheit und Veranlass
ung dazu bietet.
Wie die Religionsstunde ihre schönste und höchste Weihe durch einen Choral
und ein gemeinsames geistliches Lied findet, so müssen auch alle anderen Unterrichts

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