Zur Frage des deutschen Geschichtsunterrichts.
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Blick in die Zukunft zeigt uns das Ziel der Politik und Entwicklung, der Blick
auf die Vergangenheit erklärt uns, daß und warum die Verwirklichung dieses
Zieles noch mangelhaft ist.
Hiermit sind zwei Hauptseiten des Geschichtsunterrichts gekennzeichnet, welche
in Zukunft scharf hervortreten werden. Der Hauptteil der Geschichte ist die
völkische, nationale, der Schlußteil die weltpolitische. Im Sinne dieser
beiden Hauptstufen und Hauptgattungen der deutschen Geschichte ist die gesamte
Methodik des deutschen Geschichtsunterrichts auszubauen. Mit ihnen geht die
rein nach Seelengesetzen erfolgende lehrförmliche Ausgestaltung Hand in Hand:
denn die inhaltlichen, wie auch die seelengesetzlich-lehrförmlichen Gesichtspunkte
müssen sich stets die Wage halten.
Auf den stufenmäßigen Aufbau des Unterrichts in der deutschen
Geschichte ist noch weit mehr Bedacht zu nehmen als bisher. Nicht die allge
mein übliche Anordnung nach konzentrischen Kreisen ist schon an sich richtig, d. h.
der lehrplanmäßige Ausdruck der pädagogisch-psychologischen Forderungen an den
stufenmäßigen Aufbau, sondern es ist das Nacheinander der Jahresumläufe so zu
gestalten, daß in der That ein stufenweises Aufsteigen zu höhern Formen der
Erkenntnis und Auffassung und Durcharbeitung zu Tage tritt. In dieser Be
ziehung kann man Schröders Lehrplan für den Geschichtsunterricht, obgleich
er preisgekrönt ist, nicht ohne weiteres als die Lösung der Lehrplanfrage
anerkennen; denn wenn er auch mit Recht tadelt, alle Jahre das ganze Gebiet
der deutschen Geschichte zu behandeln, wenn er auch dem ersten Geschichtsjahre
keine zusammenhängende Geschichte, sondern nur einzelne und vereinzelte Geschichts
bilder zuweist, so stellt er dem sechsten Schuljahre doch wohl zu hohe Aufgaben
und bringt ferner im 'letzten die konzentrischen Kreise ebenfalls wieder zum
Vorschein, ohne daß ein Streben sichtbar wird, die gegebene Stoffauswahl und
Folge unterrichtskundlich zu beweisen.
Die erste Lehrstufe hat geschichtlichen Anschauungsunterricht
zu treiben, der ganz und gar dem kindlichen Standpunkte anzupassen ist. Von
allgemeingültigen inhaltlichen Festsetzungen kann in betreff desselben keine Rede
sein, da hier die örtlichen und landschaftlichen und sonstigen besondern Umstände
maßgebend sind. Er fällt in die Zeit der ersten vier Schuljahre und beginnt
mit der ersten Belehrung über das Einst im Gegensatze zum Jetzt. Es ist klar,
daß dieser geschichtliche Anschauungsunterricht, den ich mehr als Lehrweiser denn als
Lehrfach betrachte, der vor allem die Aufgabe hat, den geschichtlichen Sinn der
Kleinen zu wecken und die unentbehrlichen Aneignungsgedankensippen herbeizu
schaffen, zunächst an die Märchen anknüpft, die ich jedenfalls mit weit mehr Zu
stimmung und Recht als eine Vorstufe des Geschichtsunterrichts in Anspruch
nehme denn als Einleitung in die biblische Geschichte. Die Märchen versetzen uns
in längst verklungene, alte Zeilen zurück, in Zeiten, in denen noch manches sich

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