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Neue Bestrebungen auf dem Gebiete des Zeichenunterrichts.
werden, ganz wie beim Lernen von Gedichten oder beim Üben von Klavierstücken.
Fischformen sollen z. B. durch die ganze Schulzeit gezeichnet werden. Tadd giebt
sich zunächst zufrieden, wenn eine typische Form entsteht. Die zeigt nicht etwa
einen Karpfen, oder gar einen bestimmten Karpfen; sie entspricht vielmehr dem
Vulgärbegriffe (Schema), den ein Kind sich von einem Fische macht. Erst später
erhofft man charakteristische Formen. Alle Formen werden nicht bloß gezeichnet,
sondern auch in Thon modelliert und in Holz geschnitzt. Zuletzt kommen dann
Fische als Dekorationsmittel. Man sieht leicht, daß es bei dieser Art des
Betriebes des Unterrichts neben der Ausbildung der Hand (beidhändiges Zeichnen)
und der Einprägung der Formen bis zur völligen Beherrschung auch noch auf
Reichtum an Besitz von Formen ankommt. Der Reichtum an Formen tritt bei
Schwartz wohl zurück, wenn nicht ein geschickter Lehrer, der selber eine Fülle
derselben gleichsam aus dem Ärmel schütteln kann, dem Schüler dazu verhilft.
Freilich ist's immer noch mehr, was Schwartz bietet, als was seither geboten
wurde.
Am meisten wird es wieder an den Lehrern fehlen. Tadd hat auf der
Ausstellung in Ehikago nur 4°/o Zeichenlehrer unter der Zahl derer, die er
prüfte, gefunden, die imstande waren, sich des Zeichnens als eines Ausdrucks
mittels zu bedienen.
Die Auffassung des Zeichnens ist ferner von Bedeutung für die Auswahl
der Stoffe. Selten werden es Zierformen der verschiedenen Stilperioden sein,
über die man sich unterhält; viel häufiger wird man in die Lage kommen,
Lebensformen (Tische, Stühle, Häuser, Kirschen, Äpfel, Fische, Vögel) darstellen
zu müssen. Daher läßt Schwartz kein Ornament zeichnen. Man habe
erkannt, so etwa sagt er, daß das Ornament, losgelöst, nur von geringem Werte
sei, während der Gebrauchswert der Gegenstände in erster Reihe berücksichtigt
werden müsse. Tadd ist in diesem Punkte nicht so rigoros. Seine Abbildungen
zeigen vielfach Schüler, die mit Ornamentzeichnen und -modellieren beschäftigt
sind. Ich will noch auf die Mal- und Modellierübungen, die die Hamburger
auch in die Volksschule einführen wollen, als auf eine besondere Eigentümlichkeit
aufmerksam machen und dann den Stoff kurz skizzieren. Die beiden ersten
Schuljahre sind dem malenden Zeichnen gewidmet, das seinen Stoff aus der
Heimatkunde, der Naturgeschichte und den Sagenstoffen entnimmt. Vom 3. bis
7. Schuljahre weist der Lehrplan Freiarm- und Malübungen. Flächenformen,
perspektivisches Zeichnen (Lehrmodelle und Lebensformen) und Messen und zwar
jede Art von Übungen in jedem Jahre auf. Ebenso ist es beim Modellieren
und Malen, das in allen Klassen vom 3. Schuljahre an geübt wird. Es möge
gestattet sein, beispielsweise den Stoff des 5. Schuljahres kurz anzugeben, wobei
bemerkt sei, daß das, was in den Klammern steht, das Jahrespensum der Klaffe
ausmacht. Die Klasse hat monatlich 2 Stunden Freiarmübungen (Spirale,
Kombinationen, freie Formen), 1 Std. Malübungen (die einfach geschwungenen
Formen, freie Formen, Kombinationen), 1 Std. Flächenformen (Ellipse, Eiform,
Schnecke, Lebensformen), 1 Std. perspektivisches Zeichnen (dreis. Prisma,
Cylinder, Pyramide — Kakesdose, Sieb, Turmspitze — Zweige), 1 Std.
Modellieren (Cylinder, Pyramide, Gegenstände, einfache Tiere), 1 Std. Messen
(Grundriß, Aufriß, dreis. Prisma, Pyramide, Cylinder, Abwickelungen) und
1 Std. Gedächtniszeichnen und Illustrieren von Geschichten. Ja, auch Geschichten
erzählen soll der Stift der Kinder, und der gedruckte Lehrplan enthält eine
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