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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Anzahl solcher Darstellungen von 12- und 13 jährigen Kindern (Katze und Maus.
Hansel und Gretel, die Bremer Stadtmusikanten pp.). Im Zeichnen laufen
drei Unterrichtsreihen nebeneinander her: Grundformen, Lebensformen, Kom
binationen, z. B.
Grundform Lebensform Kombination
Wie die Stoffe im einzelnen angeordnet sind, möge man in den Werken selbst
nachlesen. Bemerkt sei, daß man mit dem Kreise beginnt und die Formen mit
gebogenen Linien voranstellt; geradlinige Formen treten erst später auf.
Tadd nennt sein Werk: „Neue Wege zur künstlerischen Er
ziehung der Jugend," und Schwartz betitelt das seine: „Neue
Bahnen". Während ersterer neben dem Erwerb eines neuen Ausdrucksmittels
noch eine Förderung des Schülers nach der künstlerischen Seite erhofft, verleiht
letzterer dieser Hoffnung auf dem Titelblatte seines Werkes nicht Ausdruck;
trotzdem wird er sie ja auch wohl hegen, das darf man schon aus der Luft, die
man in Hamburg atmet, schließen. Aber man erhofft künstlerische Ausbildung
wohl mehr als Nebenprodukt.
Ganz anders stellt sich der Jenenser Jtschner. Ihm ist höchstes Ziel das
Genußsähigmachen in Sachen der darstellenden Kunst und vornehmstes Mittel
dazu die Vertiefung der Anschauung. Jtschner entwickelt seine Anschauungen in
dem Buche: „Über künstlerische Erziehung vom Standpunkte
der Erziehungsschule" (Langensalza, Beyer). Er stellt also das Kunst
verständnis an die Spitze seiner Darlegungen und berührt sich hier zwar mit den
Hamburgern und Tadd. Wie verschieden aber sind Mittel und Wege! Nachdem
Jtschner die Pläne der Vorkämpfer des Problems der künstlerischen Erziehung
(Lange, Lichtwark, Hirt) erörtert hat, betrachtet er dieses Problem vom Stand
punkte der Erziehungsschule aus. Er leitet es ab aus dem obersten Erziehungs
ziele. Der Kunstunterricht hat der Bildung des sittlich-religiösen Charakters
insofern zu dienen, als er das Gefühl für das Schöne, die Geschmacksbildung,
zu pflegen hat. Das Zeichnen bedeutet in diesem Unterrichte eine Vertiefung
der Anschauung von Kunstobjekten: So gewinnt er seinen Maßstab für die
Reformbestrebungen. Er weist Lange, dessen Buch er zwar empfiehlt und dem
er zugesteht, daß er den Unterricht aus „technischer Erstarrung" befreit habe, ab,
weil er das Problem „nicht bis in seine letzten Konsequenzen durchdacht habe"
und „in das Gebiet, wo die Centralfeuer des Lebens brennen, zu Herz und
Gemüt," nicht hindurchgedrungen sei, hier vielmehr „vor Wall, Thor und
Graben stehe". Auch Hirt wird nach Jtschner dem obersten Erziehungsziele nicht
gerecht, obwohl er über Lange insofern hinausgehe, als er im Zeichenunterichte

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