Psychologische Skizzen.
421
sonst die Bethätigung der Phantasie des Schülers? wo die 5. der formalen
Stufen? Ist z. B. eine Palmettenform gezeichnet, so ist doch nicht einzusehen,
warum ihrer nicht noch mehr sollten skizziert werden können und warum der
Schüler nicht solche zu einer eigenen Arbeit, die für ihn einer Neuschöpfung
gleich käme, sollte gruppieren können. Ich würde mich hier so wenig, wie in
der Berücksichtigung von Naturformen, an den Rahmen der betreffenden Stil
periode, die gerade zur Behandlung steht, binden. Dieser Reichtum und diese
Beherrschung der Formen ist das, was bei Tadd, der ja sonst über den Rahmen
der Volksschule weit hinausgeht, so sehr gefällt.
Mag sich so Jtschner gegenüber auch noch der eine oder andere Wunsch
erheben, so haben wir doch in seinem Buche eine nach allen Seiten gut
begründete Arbeit vor uns. Nicht die Rücksicht auf ein Fach leitet den Verfasser
und blendet seinen Blick; er richtet vielmehr das Auge auf das Ganze der
erzieherischen Thätigkeit. Es redet nicht der Zeichenlehrer, sondern der wissen
schaftlich denkende Erzieher, und darum handelt es sich ihm auch nicht nur um
die Gewinnung von Zeichenfertigkeit allein, sondern um die Bildung einer
Persönlichkeit.
Elberfeld. W. Döpp.
Psychologische Skizzen.
2. Unsere Stellung zum aktuellen Seetenbegriff.
Die Theorie von der aktuellen Seele lehrt: Die Seele ist kein Wesen
außer hinter den Empfindungen, Vorstellungen, Gefühlen, Begehrungen; sie ist
keine Substanz, an welche die seelischen Gebilde gleichsam gebunden sind; sie ist
kein Reales, das als Träger der psychischen Geschehnisse anzusehen ist; sondern
sie ist die Summe, der Zusammenhang unserer inneren Erlebnisse. Hören wir
darüber zunächst einige Vertreter dieser Ansicht. Fechner schreibt in seinem
Büchlein über die Seelenfrage: „. . . . Das Sein, das Absolute, das Wesen,
was hinter den Erscheinungen als Grund derselben stecken soll Die
Monaden, die andere hinter den Bewußtseinseinheiten noch suchen, was sind sie
als dunkle Dinge?" S. 203. „Vor, außer, über, hinter, nach dem allge
meinsten und höchsten Bewußtsein und seinem Inhalt, zu dem unser Bewußtsein
gehört, ist Nichts zu finden. ..." S. 204. „Im Bewußtsein giebt es nach
Erfahrung einen steten Fluß, Wechsel, eine ewige Veränderung dessen, was
darin erscheint. Doch zerfließt die Welt nicht in ein haltungsloses Gewirr und
Getriebe von Erscheinungen, weil die höchste unveränderliche Einheit des Bewußt
seins das Band aller hineinfallenden Erscheinungen bleibt, . . . weil es in der
Veränderlichkeit der Erscheinungen beharrliche Verhältnisse giebt, weil ihr Wechsel
durch feste Gesetze beherrscht wird. ... Da haben wir genug des Festen, wozu
nun noch ein dunkles festes Ding dahinter? Was fest in sich, braucht nicht auf
Festes aufgeklebt zu werden." S. 205. „Obwohl eine letzte Analyse sowohl
die Seele als den Körper in eine Summe einzelner Erscheinungen zerlegt, ist
doch die Seele sowohl als der Körper mehr als eine Summe von Erscheinungen,
da sie ja eben nicht in dieser Zerlegung, sondern als Verknüpfendes und Ver-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.