Vom täglichen Brot für die Jugenderziehung. 425
viel besäen. Es ist ein Lehrer ein geplagter Mann, wenn er meint, es komme
alles auf seinen Fleiß und seine Kunst an, und es könnten junge Leute nichts
lernen, wenn er nicht beständig an ihnen sei und in sie hineinschwätze. Wenn
ein Bauer immer auf seinem Acker bleiben und ihn immer begießen müßte, wie
würde es gehen? Ein Bauer thut das Seine, und das Übrige überläßt er Gott
und seinem Segen. Es wäre zu wünschen, daß ein Lehrmeister in seinem Teil
so viel wüßte, als ein Bauer in seinem Teil weiß, nämlich was und wieviel er
zu thun habe, und was man sodann Gott und der Natur überlassen müste. Es
ist zu bedauern, daß man bei der Erziehung und dem Unterricht der Jugend
weniger an den göttlichen Segen denkt, als wenn man einen Acker baut. Man
kann den Naturalismus nirgends besser wahrnehmen, als wenn man auf die
Bildung junger Leute acht giebt; denn wenn es bei einem jungen Menschen fehlt,
giebt man seinem Lehrmeister die Schuld und meint also, es sei Alles bloß an
einer vernünftigen Einrichtung und am Fleiße gelegen. Ich habe schon oft wahr
genommen, wie leicht junge Leute etwas lernen, wenn ein Segen bei ihnen ist,
wie schwer es hingegen geht, wenn kein Segen bei ihnen ist.
Ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit Unterthan, und habe unter mir
Kriegsknechte; und wenn ich sage zu Einem: „Gehe hin", so gehet er. Matth. 8, 9.
Der Hauptmann verwunderte sich, daß seine Knechte ihm gehorsam seien,
da er doch ein Mensch sei, und zwar kein Souverän, sondern ein solcher, der
unter der Obrigkeit stehe. Wer wohl bedenkt, daß er ein Mensch ist, der vielen
Gebrechen und Mängeln ausgesetzt ist und leicht in das größte Elend geraten
kann, der wird auch bei jungen Leuten nicht streng sein und dabei denken, er
wolle nicht hart sei, denn weil er unter der Obrigkeit stehe, so möchten sie ihm
Gleiches mit Gleichem vergelten. Wenn man einen so genauen Respekt und
Gehorsam von jungen Leuten fordert, so denkt man noch nicht also: Ich bin
ein Mensch und dazu der Obrigkeit Unterthan. Man soll sich vielmehr mit dem
Hauptmann zu Kapernaum verwundern; wenn man sieht, daß junge Leute Einem
gehorsam sind und dasjenige, was man zu ihnen sagt, thun. Es ist gewiß, daß
ein Mensch den andern nicht so fürchten würde, wenn Gott nicht die Furcht und
den Gechorsam ins Herz prägte; denn kein Mensch kann machen, daß ihn ein
Anderer von Herzen fürchtet und ihm von Herzen gehorsam ist. Wenn man
nun erwägt, daß Furcht und Gehorsam von Gott kommen, so wird man es mit
Danksagung gegen Gott erkennen, wenn junge Leute sich gehorsam beweisen, und
man wird daher nicht den Gehorsam zu übertreiben suchen. Man treibt die
natürlichen Mittel in der Zucht und im Unterricht junger Leute oft sehr hoch,
so daß man meint, daß man dadurch alles ausrichten könne und müsse, und weil
man der Führung Gottes fast nichts überläßt, so zeigt sich dabei besonders der
Naturalismus. Denn was man sich bei jungen Leuten eben vornimmt, das sucht
man gewöhnlich durch allerlei künstliche Mittel zu erzwingen. Es steht nicht
einmal ein Acker in Eines Gewalt» daß man machen könne, daß er so oder so
viel Frucht tragen muß; wie viel weniger steht ein junger Mensch in Eines
Gewalt, daß man dieses oder jenes Projekt an ihm ausführen kann.
2. Vom Erziehungsgeschäst der Eltern.
Die Mütter haben alle Söhne lieb, und es gerät doch zuweilen eine Tochter
besser, als der Sohn. Sir. 36, 53.

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