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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Man sollte meinen, daß eine Mutter mehr Liebe zur Tochter als zum
Sohne hat, weil Töchter und Mütter von gleichem Geschlecht sind; doch bezeugt
hier Sirach, daß die Mütter mehr Liebe zu den Söhnen als zu den Töchtern
haben, was man auch aus anderen Stellen der heiligen Schrift abnehmen kann.
Z. B. kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, daß sie sich nicht erbarme
über den Sohn ihres Leibes? Diese vorzügliche Liebe, welche die Mütter zu
ihren Söhnen haben, bewirkt, daß die Mütter an den Söhnen oft viel verderben,
daß ein Vater seinen Sohn von seinem Hause weg in die Fremde thun muß.
Man darf daher eine Mutter bei der Erziehung der Söhne oft nicht viel gelten
lassen. Weil aber die Mütter die Töchter nicht so lieben, und mithin gegen sie
auch nicht so weich sind, so kann ein Vater die Mutter bei der Auferziehung der
Töchter mehr gelten lassen als bei den Söhnen.
Es giebt aber auch noch andere Ursachen, warum die Mütter nicht so zur
Erziehung der Söhne taugen als zur Erziehung der Töchter. Ich wurde z. B.
von einer Witwe gefragt, warum sie ihre beiden Söhne nicht in Gehorsam
bringen könne, da Loch ihre sieben Töchter gehorsam wären. Ich gab zur Antwort,
weil die Buben von einer anderen Art als die Mädchen wären. Wenn eine
Henne Entlein ausbrüte, so wolle die Henne haben, daß die Entlein mit ihr
auf den Misthaufen gehen; allein die Entlein gehen ihrer Natur nach eben ins
Wasser und versagen auf solche Weise der Henne den Gehorsam. Es haben
nämlich die Buben eine andere Natur, andere Neigungen und andere Vorrichtungen
als die Mägdlein, worein sich die Mütter gewöhnlich nicht zu schicken wissen.
Selig ist der Leib, der dich getragen und die Brüste, die du gesogen.
Luk. 11, 27.
Da ein Weib Christum sah und hörte, pries sie die Mutter Christi für
glückselig, daß sie einen solchen Sohn geboren, der so herrliche Thaten verrichten
und so kräftig reden könne. — Man findet manche Mütter, welche sich viele
Mühe geben, damit ihre Söhne als rechte Leute auftreten, und besonders daß sie
in den geistlichen Stand treten und öffentlich predigen können. Man rechnet
solches den Müttern gewöhnlich als Hochmut an, besonders, wenn sie von
geringerem Stande sind. Weil aber den Weibern keine öffentlichen Ämter zum
Nutzen des gemeinen Wesens anvertraut sind, so suchen sie doch durch ihre Söhne
einen Einfluß darin zu haben, weshalb sich auch eine Mutter freut und sich eine
Ehre daraus macht, wenn sie einen weisen und im Gemeinwesen brauch
baren Sohn hat.
Ihre Söhne kommen auf und Preisen sie selig. Spr. 3l, 38.
Wenn Salomo ein weises, tugendhaftes und fleißiges Weib beschreibt, so
zeigt er auch, was für einen Einfluß die Weisheit, Tugend und Fleiß einer
Mutter auf die Erziehung der Söhne haben, indem bei solchen guten Eigenschaften
einer Mutter die Söhne aufkommen; denn weil sie ihren Mund mit Weisheit
aufthut, und auf ihrer Zunge holdselige Lehre ist (V. 26), so werden ihre Söhne
von Kindheit an zur Weisheit angeführt, weil sie tugendsam ist; indem sie
ihrem Manne Liebes und kein Leid thut (V. 12), und den Armen Gutes thut
(V. 20), lernen ihre Söhne von ihr die Tugend, Liebe und Barmherzigkeit; und
weil sie fleißig ist, indem sie gern mit ihren Händen arbeitet (V. 13), nach
Allem sieht und ihr Brot nicht mit Faulheit ißt (V. 27), hält sie auch ihre
Söhne zum Fleiß an und geht ihnen mit gutem Beispiel voran. Wie nun ein
rechtschaffenes Weib ihren Mann zu Ehren bringen kann, daß er berühmt wird

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