Aufgabe und Eigenart der Religionslehre.
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daß, wenn die Schule auch machtlos ist, die leichten, seichten, oft Sitte und
Anstand gefährdenden Lieder gänzlich zu verdrängen, sie doch wenigstens das
erreicht, daß diese Lieder dem edlen Volksliede keinen Abbruch zu thun ver
mögen. Dann wird der Volksgesang das werden, was er sein und werden
muß: „Eine wahrhaft edle und veredelnde Volkskunst!" —
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens,
Biographien, Korrespondenzen, Lehrproben, Erfahrungen
aus dem Schul- und Lehrerleben.
Aufgabe und Eigenart der Religionslehre?)
Die „Allgemeinen Bestimmungen" stellen dem evangelischen Religions
unterricht die hohe Aufgabe, „die Schüler in das Verständnis der Heiligen
Schrift und in das Bekenntnis der Gemeinde einzuführen, damit sie befähigt
werden, die Heilige Schrift selbständig lesen und an dem Leben sowie an dem
Gottesdienst der Gemeinde lebendigen Anteil nehmen zu können." Damit wird
dem Religionsunterricht ein rein praktischer Zweck gesetzt, der Zweck, die
Bethätigung christlichen Lebens anzuregen und zu pflegen. Und zwar sind mit
dieser Fassung zwei wesentliche Merkmale echten religiösen Lebens getroffen.
Sucht nämlich das religiöse Bedürfnis Stärkung, Zucht und Erbauung, sucht es
Gemeinschaft mit Gott. so wendet es sich zunächst an die Heilige Schrift, um
Gottes Geist mit sich reden zu lassen. Und andrerseits, besinnt der Christ sich
daraus, daß er nicht einen mönchischen Privatumgang mit Gott zu pflegen hat,
sondern in einer Gemeinde steht, durch die er zum religiösen Leben gekommen
ist und darin gehalten und gepflegt wird, so ist er auch darauf angewiesen, „an
dem Leben sowie an dem Gottesdienst der Gemeinde lebendigen Anteil zu nehmen."
Beide Bestimmungen erweisen sich also als ebenso inhaltreich und das Wesen der
Religion umfassend, wie sie schlicht sind.
Die Heilige Schrift soll der Schüler „selbständig" zu lesen befähigt
werden. Dazu gehört nicht nur eine bedeutende Ausdehnung des religiösen
Vorstellungskreises, sondern auch schon ein hohes Maß von persönlichem religiösen
Interesse. Das selbständige Lesen der Heiligen Schrift ist bereits eine hervor
ragende Äußerung eigenen religiösen Lebens, eines wirklichen Verkehrs mit Gott.
Ebenso zielt das andere Merkmal darauf, das christliche Personleben zu
wecken und zu pflegen. Der Schüler soll in das Bekenntnis der Gemeinde
eingeführt, also angeleitet werden, selbst in das Bekenntnis seiner erwachsenen
Mitchristen einzustimmen, sich aus eigenem Herzen zu der Wahrheit zu bekennen,
Die dritte Auflage meiner Schrift „Ein Wort zur Kate ch is mus f r ag e*
(Gotha, Thienemanns Hofbuchhandlung) wird demnächst erscheinen. Aus der völligen
Neubearbeitung teile ich hier einige Abschnitte des 1. Kapitels mit. Die Ausführungen
berühren sich mit dem entsprechenden Aufsatz in der Einladungsschrift zur XXII. Haupt
versammlung des Vereins für Herbartsche Pädagogik und dem Vortrag „Das Problem
des Religionsunterrichts" im 40. Jahrg. des Ev. Schuld!., S. 361 ff.
von Rohden.

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