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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
braucht bei denjenigen jungen Leuten, welche in den Herrenstand kommen sollen,
gewöhnlich eine harte Zucht, damit sie viel lernen; man bedenkt aber nicht, daß
sie dadurch gewohnt werden, Strenge und Härte gegen ihre Untergebenen mit
der Zeit auszuüben. Diesen sollte vornehmlich Liebe und Gelindigkeit eingepflanzt
werden, damit es Andere hernach zu genießen haben möchten.
Wer sein Kind in der Zucht hält, der wird sich freuen. Sirach 30, 2.
Wie man jungen Leuten zu hart sein kann, also kann man ihnen auch zu
gelind sein. Wie nämlich eine jede Tugend zwei Abwege hat, daß man entweder
zu viel oder zu wenig thut, also sind auch in der Kinderzucht einige zu scharf
und andere zu gelind. Besonders aber sind meistenteils die Väter zu streng und
die Mütter zu weich. Es ist demnach notwendig, daß man diese beiden Sprüche
zusammen nimmt: Erbittert eure Kinder nicht und: Haltet eure
Kinder in der Zucht! Weil die Männer mehr zum Zorn geneigt sind, als
die Weiber, so wird den Vätern eingeschärft, daß sie ihre Kinder nicht erbittern
sollen. Damit sie aber, uni die Gelegenheit zum Zorn zu vermeiden, selbige
nicht laufen lassen, wie sie wollen, oder aber aus besonderer Liebe nicht gar zu
zärtlich mit ihnen umgehen, oder auch nur ihr Vergnügen oder ihren Zeitvertreib
an ihren Kindern suchen, wird ihnen befohlen, sie in der Zucht zu halten.
Sirach führt dabei verschiedenen Nutzen an, welchen die Zucht nach sich ziehe,
und zwar, man werde seines Kindes sich freuen (V. 2): man werde sich bei
Bekannten nicht zu schämen brauchen (V. 2); es verdrieße seinen Feind und
erfreue seinen Freund (V. 3); man lasse seines gleichen nach sich (V. 4); man
hinterlasse einen Schutz gegen seine Feinde, und der den Freunden wieder dienen
könne (V. 6). Hingegen wo keine Zucht sei, da werde ein Kind verwöhnt und
mutwillig wie ein Pferd (V. 8); man müsse es hernach fürchten, und es werde
einen betrüben (V. 9); man werde hernach trauern und seufzen müssen (V. 10);
es werde halsstarrig und ungehorsam werden (V. 12); man werde über ihm zu
schänden werden (V. 13). Es geschieht aber die Zucht teils durch Gebärden,
teils durch Maske, teils mit der That.
Eli wußte, daß seine Kinder sich schändlich hielten und hatte nicht einmal
sauer dazu gesehen. 1. Sam. 3, 13.
Es hatte Eli nicht einmal den ersten Grad der Zucht wider die Bosheit
seiner Kinder gebraucht. Es besteht aber der erste Grad der Zucht darin, daß
man sauer zu dem Bösen sieht. Wenn jungen Leuten an ihren Eltern oder
Vorgesetzten etwas gelegen ist, so merken sie genau auf das Angesicht und es
fällt ihnen empfindlich, wenn sie ein saueres Gesicht sehen müssen. Daß ein
freundliches oder saueres Gesicht großen Eindruck macht, kann man an verschiedenen
Stellen der Schrift ersehen: z. B. freundlicher Anblick erfreut das Herz
(Spr. 15, 30). Jakob sprach zu seinen beiden Weibern: Eures Vaters
Angesicht ist nicht gegen mich, wie gestern und ehegestern (1. Mos. 31, 5).
Wenn des Königs Angesicht freundlich ist, das ist Leben; des Königs Grimm ist
ein Bote des Todes (Spr. 16, 34. 15). Man muß also nicht meinen, daß
die Zucht nur im Zanken oder Zuschlagen bestehe; man kann oft durch ein
saures Gesicht sehr viel ausrichten. Ja, wenn man sich manchmal in der Zucht
nicht zu helfen weiß, so kann man doch ein saures Gesicht machen und auf solche
Weise das Böse strafen und zeigen, daß man ein Mißfallen daran hat.
Wer ohne Furcht fährt, der gefällt Gott nicht, und seine Frechheit wird
ihn stürzen, aber ein Demütiger erharret der Zeit, die ihn trösten wird.

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