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Vom täglichen Brot für die Jugenderziehung
Sirach 1, 27. Kinder sind gewöhnlich schüchtern; weil man aber junge Leute
gern wie die älteren haben möchte, sucht man ihnen die Furcht zu benehmen und
sie beherzt und frei zu machen, daß man auch Freude durch sie haben oder auch
mit ihnen prangen könnte. Wenn man sie nun beherzt und frei macht, verlieren
sie alle Furcht und mit der Menschenfurcht auch leicht die Gottesfurcht. Es
kann geschehen, daß jungen Leuten das freie Wesen eine Zeitlang wohl ansteht,
daß sie schneller gescheit und beredt werden und sich besser beliebt machen können,
daher man auch von solchen sich oft besondere Hoffnung macht. Allein man sieht
vielfältig, wie es mißlingt und wie endlich eine Frechheit daraus entsteht, die sie
stürzt. Es ist sicherer, wenn junge Leute auch etwas schüchtern sind und sich vor
anderen Leuten, besonders vor den älteren scheuen, denn solches dient ihnen zur
Vermahnung, daß sie desto besser in der Demut und im Gehorsam bleiben.
Wenn ein junger Mensch in der Demut und Furcht etwas lernt, und sich wohl
hält, wird er schon zu seiner Zeit von selbst beherzter werden. Es wird ihm
später lieb sein, wenn er in Demut die Zeit erharret hat, der ihn tröstet.
Anmerkung des Herausgebers: Bei den in unserer Zeit sich beständig
steigernden Klagen über das zunehmende dreiste, rücksichtslose und unehrerbietige Wesen
eines großen Teiles unserer Jugend ein treffliches Wort, welches es verdiente, laut in
die Welt hinausgerufen zu werden, damit es in den Elternherzen den rechten Wiederhall
fände!
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Rechnen.
Fortsetzung zu Heft ii Jahrgang 1901.
8. Hanff: Rechenbuch für Volts- und Mittelschulen. Neubearbeitung von Braunes
Rechenbuch für Stadtschulen. Ausgabe U in 7 Heften (von je 50—70 S.) Preis?
Halle a. ©., H. Schwede!.
Die vorliegende Neubearbeitung hat ihre nächste Aufgabe in der Beseitigung der
Zusammenhangslosigkeit im Stoff der Aufgaben gesucht. Sie will das Aufgaben
material „nicht in bunter Zersplitterung, sondern nach sachlichen Gesichtspunkten geordnet
auftreten lasten". Sie will auch für die Rechenstunde Gruppen gewinnen, die dem
Schüler das auch für andere Fächer zu fordernde „längere Verweilen in demselben
Gedankenkreise" gestatten.
Das 1. Heft beginnt mit Zerlegen, Zuzählen und Abziehen. Jeder Zahl ist ihre
graphische Darstellung nach den Tillichschen Rechensäulen vorangestellt; weil der Till.
Rechenkasten, den der Verfaffer als den „relativ vollkommensten Rechenapparat" ansieht,
nicht nur die Zahlenvorstellung wirksam verdeutlicht, sondern auch den Operationen mit
der Zahl die vielseitigste anschauliche Grundlage gewährt und geeignete Anwendungs
formen für zeichnerische Darstellung der Zahl bietet.
Der Bearbeitung der einzelnen methodischen Einheiten sind die formalen Stufen
zu Grunde gelegt. Ein Teil der Anwendungsaufgaben hätte wohl bessere Verwendung
am Anfange einer jeden Einheit als Anschauungsstoff gefunden. Die Anwendungsstufen
sind trefflich bearbeitet. Die in Gruppen geordneten angewandten Aufgaben führen
den Schüler (schon den des ersten Schuljahres) in sein Wohnhaus, seine Wohnstube,
seinen Garten, auf die Straße, in den Laden, zur Post, Schule u. s. w.
Das gebotene Aufgabenmaterial ist nicht nur für den Lehrer, sondern auch für die
Eltern, als für die Mithelfer der Schule (auch im ersten Rechenunterricht), bestimmt.
Diese gutgeordneten und reichhaltigen Aufgabengruppen werden zweifellos das Interesse
des Elternhauses wecken und fördern. Die weiteren Hefte zeigen noch immer deutlicher
diesen Vorzug der Neubearbeitung.
Unter Zugrundelegung dieses empfehlenswerten Rechenwerkes kann man hoffen,
daß das Ziel, welches sich der Verfasser gesteckt hat, „das Interesse des Kindes an der
Zahl durch das Sachinteresse zu verstärken, seinen Sinn rechnerisch zu üben, den Blick

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