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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
für das wirtschaftliche Leben seiner Umgebung zu schärfen und überhaupt das Rechnen
zu einem Berechnen zu erheben", durch den Unterricht wohl erreicht werde.
9. Räther und Wohl: Übungsbuch für mündliches und schriftliches Rechnen. Aus
gabe E in 3 Heften (je 50—60 S- zu 15—20 Pfg.). Breslau, Morgenstern.
In diesem kleinen Werke haben die Sachgebiete eine weit geringere und spätere
Berücksichtigung erfahren, als in dem Rechenbuche von Hanft. Das reine Zahlenrechnen
steht im Vordergrund, und zwar für die erste Schulzeit deshalb, weil die Lesekraft der
Kinder noch nicht genügend für eingekleidete Ausgaben entwickelt ist. Das spärliche
Auftreten der Aufgaben aus den Sachgebieten und die im Buche selten zu findende
gruppenweise Anordnung wird mit dem Hinweis auf Aufgaben typischer Art begründet,
welche Anlaß zur Bildung neuer Aufgaben geben sollen. Aber selbst dann, wenn diese
Hefte ein Rechenwerk von geringem Umfang bleiben sollten, halten wir diesen Gesichts
punkt nicht für pädagogisch richtig. Im III. Heft tritt er auch nicht so augenfällig
hervor. Die Verwendung des Bruchsatzes hält sich in vernünftigen und praktischen
Grenzen. Der letzte Teil des letzten Heftes enthält einige (leider auch zu spärliche)
Aufgaben aus Erdkunde und Raumlehre.
Die Innenseiten der Buchdeckel sind mit Tabellen des Einmaleins, der Maße,
Münzen, Gewichte, ihren Schreibungen und Ähnlichem bedruckt. Papier und Druck
sind gut bei geringem Preis. In wenigklassigen Schulen, für welche die Hefte haupt
sächlich bestimmt zu sein scheinen, werden sie dem Rechenunterricht nützliche Dienste
leisten können.
10. Knoche: Rechenbuch. Arnsberg, Stahl.
Dieses in mehreren Millionen Exemplaren verbreitete Rechenwerk ist in 3 Aus
gaben (1. für alle Schulverhältnisie, 2. für Halbtags- und einklassige Schulen, 3. für
mehrklassige Schulen) von insgesamt 23 Heften erschienen. Jede Schulgattung soll hier
ihr geeignetes Rechenbuch finden; ganz besonders wird aber den wenigklassigen Schulen
außerordentlich reiches Übungsmaterial zur Beschäftigung in Schule und Haus geboten.
Für den grundlegenden Rechenunterricht bieten die entsprechenden Hefte auch dem, der
sich nicht zum „vereinigten Anschauungs- und Zählprinzip" des Verfassers bekennt,
treffliche Anleitung. Jede Seite verrät den praktischen Schulmann, der den mit vielem
Fleiß und Geschick gesammelten Übungsstoff in schwierigen Schulverhältnisien selbst
erprobt hat. Darum scheinen diese Rechenhefte auch zunächst und hauptsächlich für
wenigklassige Schulen bestimmt zu sein, sind doch die Stoffe bis auf die einzelne
Rechenstunde zugeschnitten. Aus dem gleichen Grunde hat auch das Rechnen mit
reinen Zahlen eine große (wohl zu große) Berücksichtigung gefunden. Das Sachrechnen
kommt erst am Schluffe des 3. Schuljahres zur Geltung, dann allerdings zumeist in
geschlossenen Gruppen sachlich und rechnerisch zusammengehörender Aufgaben. Zwar
begegnen uns in Heft 8 S. 23 (und ähnlich an einigen andern Orten) in 4 aufeinander
folgenden Aufgaben ein Kaufmann, ein Viehhändler, ein Student und ein Ökonom.
Von solchen methodischen Fehlern halten sich gute Rechenwerke der Neuzeit frei.
Manche Aufgaben aus den Sachgebieten kann man aus einem andern Grunde mit
einem Fragezeichen versehen. (Ein Krämer hat ein falsches Gewicht, so daß an jedem
kg Ware, das er damit abwägt, 4 g fehlen. Wieviel kg beträgt dieser Betrug, wenn
er an 300 Tagen täglich 10 kg Kaffee verkauft? Um wieviel M. hat er die Leute
betrogen, i kg 1,75 M? Heft 10 S. 3. — Oder: Methusala wurde 969 Jahre alt,
wieviel Tage sind das? Heft 10 S. 4. — Oder: Der Puls eines Säuglings schlägt
134 mal in der Minute. In wieviel Minuten schlägt er 14 472 mal? S- 7. — Oder:
Ein Landmann legt 50 M. in seine Börse, zieht mit 1 Fohlen und 12 Ferkeln zum
Markt, verkauft das Fohlen für 185 M. und jedes Ferkel zu 18,75 M-, kauft für
38,45 M. Waren ein und läßt sich dann von einem Taschendieb seine Börse abstehlen.
Wieviel wird letzterer darin gefunden haben? S. 19. — Eine eigenartige Tendenz
zeigen Aufgaben wie Heft 8 Aufg. 5, S. 45. Ein Mann von 60 Jahren berechnet,
was ihm seither das Rauchen gekostet hat. Er fing mit 18 Jahren an zu rauchen.
Für jede Woche rechnet er 1 Paket Tabak zu 27 Pfg. und 2 Cigarren, jede zu 6 Pfg.:
— oder S. 46: Ein Mann trinkt täglich ein Glas Bier zu 15 Pfg. Wieviel macht
dies in 1 Jahre? Wieviel m Leinen, jedes zu 73 Pfg., hätte er für dieses Geld kaufen
können: — oder Heft 13 S- 32: Johann giebt jede Woche 18 Pfg. unnötigerweise
aus. Wieviel Schreibhefte, zu 8 Pfg., hätte er im Laufe eines Jahres für dieses Geld
kaufen können?) Das vorliegenoe Rechenwerk würde nicht wenig an Wert gewinnen.

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