III, Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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eingeschlagen worden. Wir haben schon seit Jahren an dieser Stelle immer und immer
wieder für den erdkundlichen Unterricht Landschaftsbilder und innerhalb dieser Hervor
hebung des Zusammenhanges zwischen Land und Volk gefordert. Fritzsche schlägt diesen
Weg erfolgreich ein. Die deutschen Landschaften sind ihm „das Erziehungshaus" des
in diesem Landschaftsgebiete lebenden Stammes. Die Eigentümlichkeit der Landschaft
giebt jedem Stamm sein eigenartiges Gepräge in Ernährungsweise, Beschäftigung,
Charakter. Ja, Armut und Wohlhabenheit, Aufblühen, Stillstand und Niedergang von
Städten finden in der Eigenart der Landschaft und in deren Beziehungen zum Nach
barlande ihre Erklärung. Kurz: Der Schüler gewinnt bei Aufmerksamkeit und Fleiß
Einsicht in die Grundlagen des gegenwärtigen Kulturzustandes seines Volkes. Deutsch
lands Höhe der Entwicklung erscheint ihm als etwas aus der Natur seines Landes —
also naturgemäß Gewordenes. Deutschlands Geographie ist zur Kulturgeographie um
gestaltet. — Daß eine solche Arbeit nur dem angestrengtesten Fleiß, der gründlichen
Kenntnis des einschlägigen Stoffes, dem psychologischen Scharfblick eines tüchtigen Schul
mannes möglich war, ist selbstverständlich. — Nur noch einige Sätze: 1. Der Verfasser
macht größten Ernst mit der Forderung: Das Kartenbild soll Ausgangs- und Mittel
punkt der Betrachtung sein und bleiben. Alles soll unter Benutzung von Globus
und Karte gemeinsam erarbeitet werden. 2. Alle Landschaftsbilder sind gleich gründlich
bearbeitet und für alle die besten Quellenwerke (Kutzen, Penk) benutzt worden. 3. Auch
die anspruchsvollsten Bedürfniffe der oberen Klaffen höherer Schulen dürften hier be
friedigt werden. Gleichwohl sollte auch der geographische Unterricht der einfachsten
Volksschule aus solchen Quellen schöpfen. 4. Ganz besonders halten wir aber Fritzsche's
Handbuch geeignet für die Hand der Seminaristen. Hier lernen sie den interessantesten
Stoff und die allein richtige Methode — „Betonung des kausativen Moments" — mit
einander kennen. Das „Was" und „Wie" sind für sie gleich bildend und für ihre
spätere praktische Arbeit gleich wertvoll. 5. Schließlich sei noch bemerkt, daß sich zahl
reiche Abschnitte für einen geistbildenden Aufsatzunterricht vorzüglich verwenden lassen.
Wir wünschen dem Verfaffer zur Bearbeitung auch der übrigen erdkundlichen Abschnitte
ein gleiches Gelingen!
9) Helmke, Fr. Vorbereitungen auf den Unterricht in der Erdbeschreibung. Die
außerdeutschen Länder Europas. Minden 1899. Marowsky. Preis 1,20 M.
Für alle, die einen lebendigen, die Selbstthätigkeit der Schüler anregenden erd
kundlichen Unterricht erteilen wollen, sei diese aus sorgfältiger Vorbereitung hervor
gegangene und mit anerkennenswertem Fleiße zusammengestellte Arbeit sehr warm em
pfohlen. Eine bloße „Eselsbrücke" ist sie keineswegs.
10. Prüll, Herm. Aus der Himmels- und Länderkunde. Die außereuropäischen Erd
teile. Leipzig 1900. Wunderlich. Preis ungeb. 2 M.
Dieses Buch scheint das Ergebnis fleißiger und gewiffenhafter Vorbereitung auf
diesen Unterrichtsgegenstand zu sein. Die klare Disposition, das Sichgenügenlassen an
Stichwörtern und die fortwährenden Fragen nach dem Warum lassen darauf schließen.
Wer Muße und Neigung hat, sich nebenher noch mit größeren Werken zu befassen, der
wird Prülls „Himmel- und Länderkunde" gerne gebrauchen.
11. Közle, Gottlob- Neuer Wegweiser für die deutschen Schutzgebiete in Afrika, der
Südsee und Ostasten. Stuttgart 1900. Kielmann. Preis 2,50 M.
„Wer vieles bringt, wird Manchem etwas bringen". Unser Büchlein bringt that
sächlich viel. Mit Bienenfleiß ist, wie der „Litterarische Nachweis" darthut — gesammelt
worden. Wer gut und für Schulzwecke zweckmäßig auszuwählen versteht und vor allem
in Namen und Zahlen weise Maß zu halten weiß, der wird diesen „Wegweiser" mit
Nutzen verwenden.
12. Hupfer, E. Methodik des geographischen Unterrichts in der Volksschule. Leipzig
1901. Dürrsche Buchhandlung Preis 1,35 M. ungeb.
Seminaristen und Lehrern, die sich über alle einschlägigen ^methodischen Fragen
dieses Unterrichtsgegenstandes gründlichen und zuverlässigen Bescheid holen und ihre
Augen für die Beurteilung der fast täglich neu erscheinenden geographischen Bücher
schärfen wollen lasten, sei dieses fast 100 S. starke Büchlein warm empfohlen. —
Vielleicht läßt sich der Verleger bewegen, den Preis auf 1 M. herabzusetzen.
Elberfeld, im Juni 1902. R. Leite.

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