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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
dem göttlichen Erlöser in Berührung bringen. Diejenigen haben also recht, die
da sagen, es handele sich nicht um die Methode, sondern um die Persönlichkeit.
Nur dürften sie diese Wahrheit nicht zur bequemen Ablehnung sorgfältiger Vor
bereitung und zur Rechtfertigung jeglicher katechetischen Willkür und Zuchtlosigkeit
mißbrauchen, sondern den Gedanken selbst zu Ende denken, den sie so gern an
führen: „Die Methode bin ich." Einer nur durfte im Vollsinne sagen:
„Ich bin der Weg." Darf der Katechet das im abgeleiteten Sinne auf sich
anwenden, so wird er dem Schüler wirklich ein Christus, ein Mittler Gottes.
So meint es auch Luther, wenn er das merkwürdige Wort ausspricht, die
Christen müßten einander Christusse werden. Nimmt es der Lehrer mit dieser
hohen Ausgabe und Verantwortung ernst, so beharrt er natürlich nicht in der
Selbstgenügsamkeit seiner methodischen Souveränität, sondern schaut sich angelegent
lichst nach Mithelfern um.
Vor allem weiß er oder sollte es wissen, daß er ohne das Elternhaus
aus Sand baut. Es giebt ja Fälle, wo sich das junge Her; seinen gottgeweihten
empfänglichen Ackerboden trotz religiöser Verwahrlosung im Elternhause bewahrt
hat, wo gerade im Gegensatz zur geistlichen Verödung in der Familie das Ge
müt sich freudig der Befruchtung in der Schule aufschließt. Aber die Regel ist
das nicht. Der Geist weht zwar, wo er will, aber er ist in seinem Wirken
doch auch an seine natürlichen Vehikel gebunden, in diesem Falle an die Sym
pathie oder Antipathie des Familiengeistes. Von Abrahams Geschichte au ist die
Familie das Prototyp wie des Staates, so auch des Gottesreichs. Die Familie
ist die eigentliche Trägerin der Gottesoffenbarung, der Herd aller Religion.
Daher wäre es ein mehr als gewagtes Experiment, mit der religiösen Ein
wirkung etwa mit Rousseau bis zur vollen Reife des Selbstbewußtseins warten
zu wollen. Dagegen erklärt Herbarl: „Gott als das reelle Centrum aller
praktischen Ideen und ihrer schrankenlosen Wirksamkeit; der Vater der Menschen
und das Haupt der Welt! Er fülle den Hintergrund der Erinnerung als das
Älteste und Erste, bei dem alle Besinnung des aus dem wirren Leben zurück
kehrenden Geistes immer zuletzt anlangen müsse, um wie im eigenen Selbst in
der Feier des Glaubens zu ruhen" (H. W. XI, 227). Die Schule soll
also, wie überhaupt, so besonders im Religionsunterricht, nichts anderes als eine
Helferin der Familie sein, das planmäßig anzubauen und zu ordnen, was zu
Hause an religiösen Vorstellungen gelegentlich sich darbietet. Wo also der Schüler
an religiösem Leben gar nichts von daheim mitbringt, wo zu Hause durch theo
retischen oder praktischen Widerspruch das in der Schule Aufgebaute zerstört wird,
da hat der Religionslehrer einen schweren Stand. Aber dieser Gedanke erleichtert
ihm auch wieder seine Verantwortung; er allein kann's nicht machen, wie über
haupt in diesen zarten Dingen nichts gemacht werden kann. Wo er aber sein
Bestes thut und giebt, da wird's doch nimmer ganz vergeblich sein.
Die religiösen Anregungen entstammen aber nicht nur dem Elternhause und
dem schulmäßigen Religionsunterricht. Unbewußt nimmt das Kind an dem
Leben der Gemeinde irgendwie schon teil. Schon oben wurde auf die zahlreichen
Gelegenheiten kirchlicher Handlungen und Feste hingewiesen, die die Kinder mit
erleben und an denen ihnen mit die ersten religiösen Ahnungen und Strebungen
aufzugehen pflegen. Sie sehen mit eigenen Augen Diakonissen und Missionare,
lernen sie kennen und gewinnen, wenn sie erfahren, was die thun, unwillkürlich

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