Aufgabe und Eigenart der Religionslehre.
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Respekt vor der Gesinnung, die ihr Leben dem Dienste Gottes und der Mit
menschen weiht. Sie nehmen mit innigster Sympathie an den Kämpfen und
Leiden der Buren teil, und mit dieser herzlichen Teilnahme verbindet sich un
auslöschlich die Vorstellung, daß das Leute sind, die nicht aus Fürsten und Ver
bündete, sondern auf den lebendigen Gott ihr Vertrauen setzen. Sie hören von
Feuerwehrleuten und andern Leuten, die ihr Leben eingesetzt haben für ihre
Brüder. Mit Andacht bleiben meine Kinder bei dem Gang über den Friedhof
stets an dem schlichten Grabmal eines jungen Arztes stehen, der sein Leben ein
büßte bei der glücklichen Rettung eines Kindeslebens. — Sodann giebt es in
dem gesunden Kindesleben selbst eine Fülle von Erlebnissen entweder unmittelbar
religiöser Art oder solche, die nur gedeutet zu werden brauchen, um religiös ver
standen zu werden: die kleinen und großen Nöte im Leben des Kindes, die es
persönlich zu Gott treiben, von ihm Hilfe und Rat zu erbitten; das Gefühl
der Leere nach einer großen Freude, auf die es seit langem alle Empfindungen
gespannt hatte/) das Gefühl, das ihm sagt, daß alle irdische Freude das
Menschenherz doch nicht auszufüllen, voll zu befriedigen vermag; die unwill
kürliche Empfindung des Abscheus beim Sehen von schlimmen Scenen, auch in
bildlichen Darstellungen oder beim Hören von bösen Thaten, die Mitsreude an
Schönem und Gutem, das es bei andern miterlebt — alle diese und ähnliche
Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder sind die Quellen, die vom Katecheten
zart und geschickt benutzt werden können, um religiöse Vorstellungen und Grund
sätze daraus abzuleiten. Sie sind zum mindesten der Resonanzboden, der not
wendigerweise vorausgesetzt werden muß, wenn man die religiösen Erlebnisse
anderer, vorbildlicher Menschen ihnen verständlich machen, wenn man sie mit
gotterfüllten Persönlichkeiten bekannt machen will.
Wenn überhaupt, so ist es nur auf diese Weise und unter dieser Voraus
setzung möglich, religiöses Verständnis zu erzielen. Gelingt es nicht, die Be
trachtung des inneren Lebens der vorbildlichen Persönlichkeiten zu dem Person
leben des Katechumenen selbst in irgendwelche Beziehung zu setzen, die Saiten
ihres eigenen inneren Lebens zum Mitklingen zu bringen, dann ist auch die
sorgfältigste Anschauungsvermittlung und eindringendste Behandlung biblischer
Geschichten verlorene Liebesmühe. Nur dann ist es möglich, die Schüler mit
dem lebendigen Gott in Berührung zu bringen oder was dasselbe ist, sie von
der Wirklichkeit Gottes zu überführen, wenn sie aus ihrem eigenen Innern eine
Empfindung für das Walten Gottes im Menschenleben entgegenbringen. Nur
so wird ihnen Gott gegenwärtig; und ein anderer als ein gegenwärtiger Gott
kann ihnen ja nichts nützen; wird „der Gott unserer Väter" nicht auch unser
eigener Gott, kann uns alles Vor- und Nacherzählen der frommen Vätergeschichten
nichts helfen.
Wir kommen also auch auf diesem Umwege wieder auf den praktischen und
persönlichen Zweck alles Religionsunterrichts zurück: der Katechumen muß stets
und immer lebendiger das Bewußtsein bekommen: m6a res agitur. Aus diese
einfache, eigentlich so selbstverständliche Forderung zielt ja die ganze neuere
') „Es war wunderschön," erzählt ein Kind seiner Mutter am Abend nach einem
großen Schulfeste, dem es sich mit der ganzen Lebhaftigkeit und Genußfähigkeit seiner
Natur aus vollem Herzen hingegeben hatte, „und wir haben viele, viele Freude gehabt,
aber ich weiß nicht, ich weiß nicht, wenn man sich so arg auf etwas freut und wenn
man dann auch die Freude hat, es fehlt einem dann doch noch etwas."

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