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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Revolution von 1848 entgegenzutreten. Es zeigt die Hohenzollern als Förderer der
Freiheit, indem es folgende Sätze aufstellt und dann ausführt: Wir brauchen Besitz —
Wir brauchen Bildung — Wir brauchen Frömmigkeit — Wir brauchen Selbständigkeit.
Wer uns das alles schenkt, der macht uns frei und ist unser wahrer Freund. Das
thaten die Hohenzollern. — Infolge Erlasses des Kriegsministeriums hat das Büchelchen
Eingang ins Heer gefunden.
In Bezug auf die Auswahl der Gedichtsammlungen verweise ich auf das oben
Gesagte. Die zweite beschränkt sich auf die Geschichte Preußens. Sie enthält 156
Nummern. Ein Anhang bringt noch 12 Entwürfe zu Ansprachen. Die erste, als An
hang zu dem Geschichtsbuche gedacht, bringt 225 Gedichte, die sich sowohl an die Ge
schichte des Altertums, wie an die des Mittelalters und der Neuzeit anschließen. Man
könnte solche Sammlungen, abgesehen von Festlichkeiten, beim Geschichtsunterrichte gut
verwerten, wenn gleich über die Stelle, an die das Gedicht in der Lektwn gehört, noch
gestritten wird. Bei der Überhäufung mit Stoff aber, unter der wir jetzt noch leiden,
wird nur wenig Zeit dafür übrig sein. Indesien kann immerhin das eine Kind dieses,
das andere jenes lernen, so daß in den Klassen dann doch eine ziemliche Anzahl ver
treten ist. Die Sammlungen erleichtern dem Lehrer die Auswahl, und er mag sich
ihrer, wenn nötig, bedienen.
Es seien hier nun noch zwei Merkchen über die Jerusalemsahrt Kaiser Wilhelms II.
angereiht, die zwar nicht zu den eigentlichen Festbüchern gehören, aber doch vielleicht
Verwendung finden können bei der Präparation zur Feier. Das von Direktor Zange
enthält das Wesentlichste aus einem Festvortrage, der am Vorabend von dem Geburts
tage des Kaisers in der Königlichen Akademie gemeinnütziger Wissenschaften in Erfurt
gehalten wurde. Der Verfasser sieht ab von allen politischen Nebenzwecken der Reise
und beschränkt sich nur auf die Jerusalemfahrt. Die Bedeutung dieser beabsichtigt er
im Zusammenhange mit der Geschichte zu betrachten. Nachdem der Verfasser gezeigt,
welchen Anteil die Vorfahren Kaiser Wilhelms an dem Baue der Erlöserkirche haben,
stellt er die Fahrt dar als ein Zeugnis der Einmütigkeit aller protestantischen Kirchen,
die einmütig seien auch ohne die Form historisch rechtlicher Verfassung zu haben. Der
Kaiser habe hier — und darin sieht Verfasser die Bedeutung der Reise für die evan
gelische Kirche — eine kirchenleitende Thätigkeit aufgenommen und sich durch sein Be
kenntnis ein hohes Verdienst erworben. Aber auch die katholische Kirche, ja die ganze
Christenheit habe Ursache, sich zu freuen. In hochherziger Weise habe der Kaiser den
Mohammedanismus gegenüber die Aufgabe gestellt. Keine Streitigkeiten, nicht Dogmen-
predigten, sondern Beweis des Lebens und Ausübung der Nächstenliebe nach allen Rich
tungen hin. Es werden in dem Heftchen zum Schluß noch Zeugen für die große Wir
kung, die der Zug auf die Morgenländer ausgeübt, angeführt und die Reise in Be
ziehung gestellt zu den Kreuzzügen.
Sucht so das eine Merkchen die Kaiserfahrt zu würdigen, so gleicht das andere
mehr einem Quellenbuche. Es bringt zunächst aus der Feder von Zeitgenossen Nach
richten von Jerusalemfahrten früherer Hohenzollern. Verfasser schließt diesen Teil mit
folgenden Worten: Merkwürdig! Über den Brenner geht der Weg der Pilger zum heiligen
Lande damals — wie heute; in Venedig wird das Meerschiff bestiegen — wie heute;
ein Reiseunternehmer sorgt für die Überfahrt, Unterkunft in Jerusalem w. — wie heute;
die ewige Stadt, das heilige Grab, all die geweihten Orter sind in den Händen der
Heiden — wie heute; nur wenn sie es erlauben, wenn die Wallfahrer ihren Tribut
entrichten, kann man zu den heiligen Stätten gelangen — wie heute; ja, noch mehr:
Trinkgelder sind schon damals nicht weniger zu zahlen — ganz wie heute; von dem
Heimkehrenden endlich wird erwartet, daß er Geschenke und Erinnerungen aus dem
fernen Osten mitbringe — alles wie heute. Im 2. Teile folgen nun Hohenzollern-
fahrten aus der Neuzeit: die des Kronprinzen Friedrich Wilhelm und die Kaiser
Wilhelms II. und seiner Gemahlin. Auch hier kommen Teilnehmer der Fahrt zu
Worte, oder es ist wenigstens nach ihren Aufzeichnungen erzählt.
Beide Bücher, das letzte in der vollen Anschaulichkeit der Quellenbücher erzählend,
und das erste, die Bedeutung der Fahrt Kaiser Wilhelms deutlich hervorkehrend, er
gänzen sich gegenseitig. Wer die Fahrt etwa zum Gegenstände einer Festrede zu machen
beabsichtigt, oder sich auch nur über dieselbe orientieren will, dem seien dieselben bestens
empfohlen. Elberfeld. — Döpp.
Verantwortlicher Schriftleiter G. von Rohden in Düsseldorf-Derendorf.

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