Februar 1902.
I. Abteilung. Abhandlungen.
Die Sprachschule als wichtiges und unentbehrliches Mittel
der Sprackschulung.
Von Th. Franke in Wurzen.
Rudolf Hildebrand stellte in seinem trefflichen Buche: „Vom deutschen
Sprachunterrichte in der Schule" nachstehende Forderung aus: „Der Sprach
unterricht sollte mit der Sprache zugleich den Inhalt der Sprache, ihren
Lebensgehalt voll und frisch und warm erfassen." Dieser Grundsatz gilt schon lange
unbestritten, und er ist auch nicht erst von Hildebrand als allgemeinverbindlich
erkannt worden. Er kann daher als das erste Hauptgesetz alles Sprachunterrichts
gelten, wogegen niemals und nicht im geringsten gesündigt werden darf. Ein
Lehr-, Lern- und Übungsmittel für den Sprachunterricht, das gegen dieses un
verbrüchliche Hauptgebot verstößt, ist natürlich ohne Widerrede als lehrwidrig, als
lehrgesetzwidrig zurückzuweisen. Darin darf man wohl auf ungeteilten Beifall
rechnen.
Nun schrieb Dr. Rudolf Schubert in seiner Wortkunde im Anschluß an
den Sachunterricht (Leipzig, Wunderlich) einleitend: Während Hildebrand ge
predigt hatte eine Beobachtungs- und Gewöhnungsschule, zwängte man die neuen
Grundsätze zurecht für die alte Lernschule. Hatte er für rechte Sprachschulung
so manche Lanze gebrochen, so schuf man nun Sprachschulen. — Aber ich finde
nicht die Spur von einem Geist, und alles ist Dressur!
Auch R. Schöne in Leipzig verfocht im Praktischen Schulmanne (47.
Band, 8. Heft) die Behauptung: Ein naturgemäßes Verfahren bei Erteilung
des Sprachunterrichts und die Benutzung von Schülerheften (Sprachschulen) sind
unvereinbare Gegensätze (S. 759). Dieser Behauptung pflichtete Dr. Sachse am
obengenannten Orte bei, indem er betonte: „Leitfäden und Sprachhefte mechanisieren
den Unterricht (S. 769). Es ist Selbsttäuschung, wenn man meint, daß man
deutsche Sprache durch Sprachhefte lehren und fördern könne (S. 771). Hierbei
beruft er sich auf Dittes, welcher gesagt hat: „Die Frage, ob in den Volks
schulen ein grammatischer Leitfaden für die Kinder gebraucht werden solle, muß
ich entschieden verneinen. Ein solches Buch bildet stets eine Scheidewand zwischen
Lehrer und Schülern, hemmt die lebendige Wechselwirkung zwischen beiden, be-
5

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.