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I. Abteilung. Abhandlungen.
nimmt also dem Unterricht seine Unmittelbarkeit und Frische. Es rückt das Ab
strakte , die Sprachlehre in den Vordergrund, welcher dem Konkreten, der
Sprache selbst gebührt; es setzt an die Stelle des heuristischen (entwickelnden)
das dogmatische (vorschüttende) Verfahren. Übrigens dürfte es unter den vielen
Leitfäden nicht einen einzigen geben, welcher für mehrere Schulen paßte oder
auch nur alle an einer größeren Schule gemeinschaftlich arbeitende Lehrer be
friedigte. Die Meinung, daß ein solches Buch in der Schule sein müsse, ist
nur ein vererbter Schulmeisterzopf."
In der That haben auch Schulbehörden solch sprachschulfeindliche Ansichten
nicht bloß sich zu eigen gemacht, sondern auch zum Leitstern ihrer Verfügungen
erhoben und wie die Königliche Lokalkommission in Nürnberg sämtlichen städtischen
Volksschulen samt den höheren Mädchenschulen verboten, für den deutschen
Sprachunterricht ein Hilfsbuch für die Hand der Kinder zu benutzen. Wie es
scheint, ist diese schulbehördliche Sprachschulgegnerschaft nicht ohne Nachfolge
geblieben.
Ist ein solches Verfahren gerechtfertigt? Sind wirklich die oben gegebenen
Anklagen wider die Sprachschulen stichhaltig und im Wesen der kindlichen Sprach
entwicklung und der Sprachunterrichtslehre begründet? Giebt es nicht vielmehr
Sprachschulen, welche als ein wichtiges, einwandfreies, durchaus zweck- und lehr
mäßiges Hauptniittel der Sprachschulung sich bewährt haben und bei richtiger
Anwendung in den Schulen auch überall bewähren?
Zunächst fällt in die Augen, daß Dittes nur von Leitfäden, aber nicht von
Sprachschulen spricht. Sofern auch die übrigen Gegner hierbei Leitfäden für die
Sprachlehre im Sinne haben, welche nur auf ein Wissen, auf die Vermittlung
des grammatischen Regel- und Erklärungswerkes, der Einteilungen, Übersichten rc.
hinarbeiten, stimmen wir ihnen uneingeschränkt bei, denn dies abgezogene Wissen
über die Sprache ist allerdings für die wirkliche, lebendige Sprachbildung und
Sprachschulung belanglos und ein toter Wissensstoff, mit dessen Abfragung sich
wohl recht gut Sand in die Augen unfachmännisch gebildeter Prüfungs- und
Probenbesucher streuen läßt, wenn man nämlich zuvor tüchtig „gepaukt" hat.
Wir haben jedoch Sprachschulen im Auge, die diesem Namen Ehre zu
machen und das Hauptgewicht auf Übung und abermals Übung legen. *)
Ich stehe ganz auf K e h r s Schultern, wenn er in seiner Praxis der Volks
schule schreibt: „Denken und Sprechen sind ein- für allemal die Hauptmittel
aller geistigen Bildung." Sprachreichtum und Geistesreichtum bedingen, fördern
x ) Vergleiche die Ubungsschule für Rechtschreibung und Sprachlehre, Wortbildung
und Ausdruck. Im Anschluß an den Sachunterricht für Volks- und Bürgerschulen in
fünf Heften bearbeitet." 1. Heft: 2. Schuljahr, 0,15 M 2, Heft 0,20 M. 3. Heft
0, 20 M. 4. Heft: 5—6. Schuljahr, 0,30 M. 5. Heft: 7 — 8. Schuljahr 0,30, M.
Leipzig, Dürrsche Buchhandlung.

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