Die Sprachschule rc.
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Nur in und mit der Sprache lernt man Denken, wie man nur denkend, vor
stellend und fühlend die Sprache beherrschen lernt. „Sprachbildung findet, wie
Schöne am obgedachten Orte mit Recht hervorhebt, nur da statt, wo Gedanken
nach Mitteilung ringen, wo das Innenleben der Seele in Erscheinung treten,
sich gleichsam in eine seh- und hörbare Gestalt kleiden will." Die „Übungsschule"
ist ganz nach diesen Grundsätzen bearbeitet.
„Das zusammenhanglose Nebeneinander von Mustersätzen und formsprach
lichen Übungen erzeugt im Kinde keine Spur von sachlichem Interesse," betont
Sachse mit vollem Fug. Aber gegen diesen Vorwurf, der viele Sprachschulen
hart, jedoch nicht ungerechtfertigt trifft, ist die „Übungsschule" jedenfalls geschützt.
Einige Beispiele mögen es noch im einzelnen belegen.
Anerkanntermaßen regen Fragen am meisten daß Denken an, namentlich
dann, wenn es Denkfragen sind. Daher bringt die Übungsschule eine sehr
große Zahl von Fragen, so daß man sie beinahe als ein Fragebuch ansehen könnte.
Im 4. Hefte wird unter der „Heimkehr von der Jagd" auch der ding
wörtliche Gebrauch von Eigenschafts- und Thätigkeitswörtern geübt und zwar an
der Hand folgender Fragen: a. Was ermutigte die Krieger vor der Schlacht?
Was galt als große Schande? Was galt als erlaubt in Feindesland? Wodurch
wurde der Mut der Jünglinge gestählt? ... 6. Wer legte sich auf die
Bärenhaut? Wer galt als ehrlos? Wer genoß großen Ruhm? Wer wurde
Herzog? . . .
Unter den „alten Deutschen" stehen folgende Fragen: Warum mußten die
alten Deutschen ihre Häuser selbst bauen? Warum die Knechte die Hacken,
Eggen und Pfiüge selbst herstellen? Warum die Frauen und Mägde die Kleider
selber anfertigen? . . . Bei der Antwort soll namentlich die Wort- und Satz
stellung möglichst vielseitig geändert werden.
Aus dem letzten Hefte führe ich noch an: Wozu bedient man sich des
Thermometers, des Barometers? Wozu dient die Skala, die Kugel? Warum
ist das Quecksilber ein vorzüglicher Wärmemesser? Warum muß der Raum über
der Quecksilbersäule luftleer sein? ... Es sollen Umstandssätze des Grundes
und der Folge, sowie des Mittels und des Zwecks gebildet werden. Für Be
dingungssätze sind folgende Fragen gestellt: Wann steigt und wann fällt
das Quecksilber a. im Wärme-, d. im Wetterglase? Wann gehen beide nur
richtig? . . . Man sieht, die Fragen sind so geformt, daß sie das kindliche
Denken und Sprachkönnen gleichzeitig stählen. Von Schablone, Gedankenlosigkeit
ist keine Spur. Die Sprachübungen werden so zum sichersten Prüfstein, sowie
zum natürlichsten Befestigungs- und Wiederholungsmittel des Sachunterrichts.
Eine gediegenere Verknüpfung der Lehrfächer läßt sich gar nicht denken und
durchführen.

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