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I. Abteilung. Abhandlungen.
Jedoch wäre es eine nicht zu rechtfertigende Einseitigkeit, wollte man nicht
auch andere Übungsformen verwenden. Von dem ganzen überhaupt zur Ver
fügung stehenden Reichtum an Übungsformen ist nach Möglichkeit ausgiebiger
Gebrauch gemacht worden. Hier sei nur darauf hingewiesen, wie durch alle
sprachlichen Formschulungen die allgemeine Bildung gefördert und gepflegt wird.
So wird im letzten Hefte, Seite 23 das Rechtswesen einst und jetzt vergleichend
einander gegenüber gestellt, auf Grund nachstehender Andeutungen:
Einst:
Allgemeiner Richterstand
Frei Plätze
Mündliches
Überlieferung, Herkommen, Sitte
Willkür, Zufall
Keine Berufung
Jetzt:
Besonderer; berufsmäßig vorgebildete
Richter
Eigene Gebäude
Schriftliches Verfahren
Geschriebene Gesetze
Streng, unbeugsam
Berufung an höhere Gerichte rc.
In formsprachlicher Hinsicht werden hierbei die entgegenstellenden Binde
wörter, sowie die Bildung von Satzverbindungen und Satzgefügen geübt. Es
ist aber auch unleugbar, daß durch diese Sprachübung zugleich das kindliche Ver
ständnis der Gegenwart auf Grund der Vergangenheit nicht unwesentlich ge
klärt wird.
Sachses vorwürfliche Behauptung: „Die „reinen" (d. h. inhaltlich Zusammen
hang- und wertlosen) Übungen sprachlicher Formen, wie sie die Sprachhefte for
dern, erzeugen kein Sprachgefühl und kein Sprachleben." Dies gilt wohl für
alle die Sprachschulen, die nach der alten formalistischen, Verbalistischen oder um
echt deutsch zu redeu, nach der formtümlichen, worttümlichen, unseelischen Lehr
weise aufgebaut sind, jedoch nicht für die „Übungsschule," welche den lebengeben
den, sprachschöpferischen Zusammenhang von Inhalt und Sprache, von Denken
und Sprechen (Schreiben) bewahrt und unterrichtlich ausbeutet. Es hat sich
aber auch stets die Thatsache ergeben, daß ohne ein solches zweck- und lehr
gemäß angelegtes Hilfsmittel der Sprachunterricht seine hohen Ziele nicht in
erwünschtem Maße erreichen kann. Denn man darf der kindlichen Selbftthätigkeit,
so wichtig diese gerade im Bereiche der Sprachpflege ist, nie zuviel zumuten.
Sie hat ihre sehr engen Grenzen, und es tritt nur Abspannung, Ermüdung,
wohl gar Überbürdung und Erschöpfung ein, wenn man die Spannfedern der
schülerischen Selbstthätigkeit überlastet. Der Stoff, den der Sprachlehrling förm
lich und sprachlich zu bearbeiten und zu veredeln hat, muß ihm in der Regel
gegeben werden. Wird ihm die selbstthätige Herbeischaffung desselben zugemutet,
so raubt dies viel Zeit und Kraft, die dann der eigentlichen Sprachschulung

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