Die Sprachschule rc.
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das eine sprachliche Formgebot, wenn irgend möglich im Umkreis des zugehörigen
Stoffes geübt werden; denn nicht die Regel als solche wirkt sprachfehlerverhürend.
Dazu ist der Weg vom Verstand bis zum Sprachmuskelgefüge viel zu umständ
lich, sondern nur die Gewöhnung, die Erinnrung an den Klang oder an das
Seh- und Schriftbild zeigt sich am schnellsten und sichersten als maßgebend,
sprachlenkend.
Durch diese sprachlichen Übungen vermitteln wir dem Kinde frühzeitig einen
Reichtum von Ausdrucks- und Satzformen und führen es allmählich zu den ver-
wickeltsten Ausdrucksweisen. Den Fachnamen „Ergänzung" oder „Beifügung"
brauchen wir noch lange nicht zu geben, trotzdem wir den Schüler in der Ver
wendung von Ergänzungen und Beifügungen in mannigfaltigster Weise fest machen.
Er muß erst öfter wirklich gefühlt und gesehen haben, daß man Sätze ergänzen
und ihnen etwas hinzufügen oder beifügen muß, damit sie einen ganzen Sinn
erhalten. Um diese wichtige Erkenntnis schon im zweiten Schuljahre anzubahnen,
stellen wir geeignete Fragen mit wen oder was oder auch mit was für ein;
z. B. in der „Ernte": Was mähen die Mäher? Was binden die Mägde?
Was laden die Knechte auf den Wagen? und so fort. Oder: Was für ein
Apfel ist süß? Was für ein Apfel ist noch sauer? (Unter der Obsternte) . . .
Im dritten Schuljahre geben wir auch einfache, nackte Sätze, die nun zu
erweitern und zu ergänzen sind. So z. B. beim Maikäfer. Der Maikäfer
legt. Der Flügel bedeckt. Der Engerling frißt . . . Oder unter der Schwalbe:
Die Schwalbe hat einen Schnabel. Sie hat einen Schwanz. Sie hat ein Ge
fieder . . . Hier merkt jedes Kind, daß etwas fehlt, daß noch etwas hinzu
kommen muß. Im fünften Schuljahre führe ich auch die grammatischen Be
zeichnungen, aber zuvörderst im Sinne der Umgangssprache ein. So bei Armin.
Da stehen nackte Sätze, wie: Armin war ein Fürst. Varus war ein Feld
herr . . . Dann heißt es: Erweitere diese nackten einfachen Sätze durch eine
Beifügung oder nähere Bestimmung, welche durch ein Hauptwort im zweiten
Falle ausgedrückt ist. z. B. Armin war ein Fürst der Cherusker. Jedes Kind
weiß nun sofort, daß der neue Satz mit Recht „erweiterter" Satz heißt. Diese
Sätze werden aber auch, um die Ausdrucksfähigkeit der Kinder zu erhöhen, wenn
irgend möglich abgeändert, umgeformt, denn die grammatische Übung soll stets
dem schriftlichen und mündlichen Gedankenausdruck dienen. In dieser Hinsicht
kann sich die „Übungsschule" eines großen Reichtums an bildenden und förder
lichen Übungen rühmen. Dies gilt auch für die Arten der Haupt- und Neben
sätze. Am Schluffe des 4. Heftes findet sich dann eine Übersicht über die Arten
der Hauptsätze, im 5. über die Nebensätze, um allen Wünschen Rechnung zu tragen.
Wenngleich nämlich das Regel- und Begriffswerk möglichst beschränkt worden
ist, um das Hauptgewicht auf die wirkliche Beherrschung der Sprache legen zu
können, so ist der Einsichtsschulung doch der gebührende Anteil gegeben worden,

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