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I Abteilung. Abhandlungen.
um eine planmäßige Verbindung von Lehre und Übung, von Einsicht und Ge
wandtheit herstellen zu können. Übungen ohne Einsicht sind blind wie An
schauungen ohne Begriffe; hinwiederum aber ist Spracheinsicht ohne Übungs
fertigkeit Schwäche, Unbeholfenheit, Unsicherheit. Aus diesen, Grunde sind auch
die Regeln und Erklärungen, die als notwendig gelten und sich vor allem fehler
verhütend erweisen, aufgenommen; so ist z. B. im 5. Hefte in der ersten Ein
heit, worin zunächst die Unterscheidung von jährig und jährlich, stündig und
stündlich u. s. w. geübt wird, anmerkungsweise angegeben, daß ig die Dauer,
lich jedoch die Wiederholung bedeute. Mit Hilfe dieser Richtschnur kann sich
jederzeit das tastende Sprachgefühl zurechtfinden. In ähnlicher Weise ist noch
auf manche andere sprachliche Eigentümlichkeit und feine Unterscheidung aufmerk
sam gemacht worden.
Die Zeichensetzung bereitet, wie die Erfahrung lehrt, den meisten
Schülern nicht wenig Schwierigkeiten. Die richtige Setzung der Striche nament
lich läßt viel zu wünschen übrig. Dies kann nicht eher anders, nämlich besser
werden, bevor man nicht die Zeichensetzung von der Unterstufe an sorgsam pflegt,
und sie in engstem Anschluß an die Ausdrucksübungen lehrt und einübt. Rein
gewohnheitsmäßig muß das Kind lernen, vor gewissen Bindewörtern einen Strich
zu setzen. Um dies zu erreichen, bringt die „Übungssckule" schon am Schlüsse
des ersten Heftes Satzpaare mit dem Bindeworte aber und giebt den Befehl:
Achte auf den Strich oder das Komma vor aber! Jedoch würde ein einziger
Hinweis nebst einigen Übungsbeispielen nicht viel nützen, denn ohne regelmäßig
wiederkehrende Übungen an neuem Stoffe würde diese Kenntnis und Gewohn
heit bald wieder verloren gehen. Daher ziehen sich die Zeichensetzungsübungen,
ohne daß sie jemals nur zu diesem einen Zwecke gegeben werden, durch alle
Hefte hindurch. Nur durch diese enge Verbindung erhält die Zeichensetzung hin
reichend genug Nahrung, so daß die Kinder ohne viel Mühe die Hauptgebote
derselben streng innehalten.
Die W ort bil d u n gslehre ist ein wichtiger Zweig des gesamten Sprach
unterrichtes. Sie muß vor allem die sprachschöpferische Kraft des Kindes aus
bilden und ihm so die Möglichkeit bieten, daß es selbstthätig und mit Ver
ständnis den ungemein reichen Wortschatz der deutschen Sprache erfassen lernt.
Der Besitz des Wörterbuches ist ja immer die allererste Srufe, das ,,ohne was
nicht" alles sprachlichen Denkens und Schaffens. Die starke Betonung und die
sorgfältige Pflege der Wortbildung rechtfertigt sich somit ganz von selbst. Hierin
kann man kaum zu viel thun des Guten. Doch muß man sich vor Ab- und
Irrwegen hüten. Die Wortbildung darf nämlich trotz alledem nicht
Selbstzweck sein, sondern muß das fast unersetzliche Mittel zu Vervoll
kommnung und Bereicherung des Ausdrucks bilden. Es genügt noch lange
nicht, daß ein Kind nach dem gegebenen Bildungsmuster eine ganze Anzahl neuer

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