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I. Abteilung. Abhandlungen.
gegeben werden, namentlich da, wo nur rechtschreibliche Gesichtspunkte maß
gebend waren.
Die Fremdwörter sind im letzten Hefte zweckmäßig eingegliedert worden
und die französischen sind zumeist nach ihren Ausspracheigenlümlichkeiten übersicht
lich angeordnet.
Besondere Lese- und Sprech- und Aussprachestoffe, wie sie Dr.
Krumbach, Lange und auch Hähnel und Patzig fordern und geben, waren für die
Übungsschule überflüssig. Die dargebotenen Wörterreihen und sonstigen Übungs
stoffe geben genug Anlaß, die deutliche Aussprache, die scharfe Unterscheidung ver
wandter Laute, wie e und ä, i und ü, e und ö, b und p, d und t rc. zu
üben, sowie die Betonungsweise zu pflegen, namentlich die der zusammengesetzten
und abgeleiteten Wörter. Diese gründliche Pflege deutlicher, klarer und scharfer
Aussprache nebst der richtigen Betonung der Stamm- und Ableitungssilben, der
Grund- und Bestimmungswörter u. s. w. ist die erste Vorstufe und die beste
Vorbereitung der Rechtschreibung und vielfach auch der Sprachlehre, Ausdrucks
und Wortbildung samt der Zeichensetzung. In der Regel sollten alle Üungs-
stoffe zuerst gut gelesen werden, damit zunächst das Ohr und das Sprachgefühl
geschärft werden. Im besondern verweise ich auf die „Herbstarbeiten und Herbst
gaben" (2. Heft, 16. Einheit), worin die abgeleiteten und zusammengesetzten
Thätigkeitswörter zum ersten Male auftreten. Hier ist die Erzielung der richtigen
Aussprache und Betonung das A und O, das Geheimnis des Erfolges. Auch
die Ergänzungen und Umformungen und Erweiterungen sind vor allem mündlich
zu üben. Je gründlicher die mündliche Sprachpflege an der Hand der gebotenen
Übungsstoffe erfolgt, desto mehr Früchte wird der Sprachunterricht auch in schrift
licher Beziehung ernten. Die Sprachstunde muß eine Sprechstunde für die
Kinder sein.
Zum Schluffe mögen die allgemeinen Gedanken über die Berechtigung der
Benutzung einer Sprachschule kurz zusammengestellt werden. Der Sprachschul-
streit war in seinem Beginne ganz gerechtfertigt, denn er richtete sich gegen ver
altete, unlehrmäßig angelegte Sprachschulen, die als Hilfsmittel eines in metho
discher Hinsicht ebenso unvollkommenen und mangelhaften Sprachunterrichts dienten.
Man schoß aber im Laufe der Zeit über das Ziel hinaus, indem man nicht bloß
die ungeeigenten Sprachschulen, sondern die Sprachschule schlechthin bekämpfte.
Hierbei lief oft eine falsche Frage- und Gegenüberstellung unter. Weil man unter
günstigen Schulverhältnissen auch ohne Sprachschulen ganz gute Erfolge erzielt hat
und erzielen kann, so täuschte man sich vor, diese günstigen Ergebnisse seien die
unmittelbare Folge der Sprachschullosigkeit; man übersah hierbei, daß sie nicht
infolge, sondern trotz derselben erzielt worden waren. Niemals kommt
es auch auf den Erfolg an sich an, sondern ebenso sehr darauf, wie und mit

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