Die Sprachschule rc.
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welchem Kraft- und Zeitaufwands derselbe erreicht wird. Ferner ist es doch ein
recht offensichtlicher logischer Trugschluß, daß deshalb, weil gewisse bevorzugte
Schulen ohne Sprachhefte auskommen, nun auch für alle andern und namentlich
auch für die minder begünstigten Schulen die Sprachschullosigkeit das Ziel der
Vollkommenheit sei und sein müsse. Dies widerspricht doch haarscharf der For
derung. daß aller Unterricht jedwede Überanstrengung und Überbürdung vermeiden
und dafür auf Erleichterung hinarbeiten muß. Daher stelle ich folgende Be
hauptung aus:
Die Sprachschule ist dann und da berechtigt und durchaus wünschenswert,
wenn und wo sie sich als ein wichtiges, durch nichts anderes zu ersetzendes
Mittel der Sprachschulung bewährt und ausnutzen läßt. Handelte es sich bloß
um Erzeugung einer gewissen Spracheinsicht, so könnte man ihrer entraten. Die
Sprachschulung zielt aber auf Sprachbeherrschung, auf Sprachgewandtheit, Sprach
fertigkeit und Sprachrichtigkeit ab und bedarf zur Erreichung aller dieser Zwecke
vor allem der Übung. Die Übungen müssen, wie jeder Lehrer weiß, stufen
weise aufgebaut sein und lückenlos fortschreiten. Sie müssen planvoll ausgewählt
und vortrefflich gesichtet sein. Sie müssen allen Zwecken des Sprachunterrichts
gleichschwebend Rechnung tragen und dürfen nichts, was der Übung bedarf, über
sehen. Sie müssen sorgfältig abgewogen sein und dem Kinde wohl Anhalte
punkte und den unbedingt notwendigen Rohstoff darreichen, aber trotzdem noch
genug Spielraum für seine Selbstbethätigung im Denken und Sprachschaffen
lassen. Sie müssen den ganzen Umkreis des Übungsgebietes erschöpfen, wenn
auch nicht in jeder Einheit, um Ermüdung und Langweile vorzubeugen, so doch
im Laufe eines Schuljahres und vor allem der gesamten Schulzeit.
Gute Sprachschulen ersparen daher dem Unterrichte sehr viel Zeit und Kraft,
indem sie einen paffenden Übungsstoff darbieten, so daß sich die ganze lehrerische
und lernerische Kraft auf die Verarbeitung dieses Rohstoffes richten kann. Gute
Sprachschulen bieten die Gewähr, daß auch die Hausaufgaben ihren pädagogisch
methodischen Zweck erfüllen.
Sie bewahren die Übungen vor Jnhaltlosigkeit, Gedankenarmut und Schal
heit, während sie ihnen den für die wahrhafte Sprachschulung auf sachunterricht-
licher Grundlage erforderlichen Gedankenreichtum gewährleisten.
Sie verbürgen den Gesamterfolg und die erforderliche Vielseitigkeit des
Sprachunterrichts und halten durch die Mannigfaltigkeit und den Jnhaltsreichtum
ihres Übungsstoffes das kindliche Interesse wach. Mit der Sprachschule giebt
somit der Sprachunterricht eins seiner wichtigsten Lehr-, Lern- und Übungsmittel
preis, erschwert er sich die Sprachschulung nach jeder Seite und bürdet sich also
eine Last auf, die nicht unablegbar ist, wie er auch drohenden Mißerfolgen nicht
vorsichtig genug vorbaut.

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