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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Behandlung der Kreuzzüge, Heinrichs IV. und Gregors VII., des schmalkaldischen
Krieges, des 30jährigen Krieges in die Weltgeschichte 'verweisen, da durch diese
Stoffe dem eigentümlichen Ziele des kirchengeschichtlichen Unterrichts, der Bildung
zur innern Freiheit des sittlich-religiösen Charakters, zu wenig oder garnicht
gedient wird. Die Behandlung der Sekten und der Augustana aber dürfte
besser in den Katechismus- oder Koufirmandenunterricht gehören.
Zur methodischen Durcharbeitung dieser Stoffe möchte ich nicht viel hinzu
fügen. Die Behandlung nach den formalen Stufen bietet sich von selbst dar.
Leider befindet sich in den Händen der Kinder kein kirchengeschichtliches Lesebuch,
das wie das biblische Geschichtsbuch zum Einprägen benutzt werden könnte. Die
kirchengeschichtlichen Anhänge zu unsern Historienbüchern sind meist elende Leit
fäden, die uns nichts nützen. Deshalb muß Darbietung und Einprägung vorerst
durch den mündlichen Vortrag, bezw. Vorlesen des Lehrers geschehen. Wie in
der biblischen Geschichte sind die psychologischen Fäden im Seelenleben der Per
sonen aufzurollen und die ursächlichen Zusammenhänge der Thatsachen möglichst
dem Verständnisse der Kinder nahe zu bringen. Willensentschlüsse und Hand
lungen werden ethisch beurteilt und mit den religiösen Gedanken und Stimmungen
zu einem harmonischen Seelengemälde der Personen zusammengefaßt. Der Ver
tiefung folgt die Besinnung, indem ähnliche bekannte Gedankenreihen mit dem
neuen Stoffe verknüpft werden, wobei besonders das Leben Jesu in Betracht
kommt. Die gemeinsamen Beziehungspunkte werden zu sittlich-religiösen Grund
sätzen oder zu allgemeinen Urteilen zusammengefaßt und zuerst mit eigenen
Worten, dann wenn möglich in einem Bibelspruch oder einer passenden Sentenz
ausgedrückt. Die Frage: Wie kannst du es dem Helden nachthun? verbindet
das Leben des Zöglings mit der Jdealpersönlichkeit. So muß der kirchen
geschichtliche Unterricht den Eindruck erzeugen, der Geist Christi ist nicht gestorben,
sondern er hat fortgelebt und fortgewirkt in den Herzen seiner wahren Nach
folger, woraus der Entschluß reift, lassen wir ihn auch in unserm Geiste wehen!
Welche Stellung der Kirchengeschichte im Lehrplane gebührt, folgt aus dem
Gesagten. Solange die konzentrischen Kreise die Lehrpläne noch immer beherrschen,
so lange wird für die Kirchengeschichte kein genügender Raum sein; denn es ist
eben unmöglich, in Jahresfrist die ganze Religionsgeschichte methodisch zu be
handeln. Auch die gebräuchlichen zweijährigen Kurse helfen dem Übel nicht ab.
Man muß sich endlich dazu entschließen, gewisse alttestamentliche Stoffe auf
früheren Stufen abschließend zu besprechen. In den Lehrplänen, die auf dem
kulturhistorischen Princip aufgebaut sind, ist das längst geschehen. Auch eine
Reihe Kompromißlehrpläne werden billigen Forderungen gerecht. Ziller bestimmt
für die Apostel- und Kirchengeschichte das siebente Schuljahr, Rein das siebente
und achte (mit abschließendem Katechismusunterricht), Thrändorf-Meltzer die letzte
Hälfte des siebenten für Apostelgeschichte und Paulus, das achte für Kirchen
geschichte, besonders Reformation, Reukauf für dieselben Stoffe das achte Schul
jahr. In der Eisenacher Seminarschule wird die Apostel- und Kirchengeschichte
ebenfalls im achten Schuljahr behandelt und damit die Behandlung des Kate
chismus verknüpft, für den aber wöchentlich noch eine Stunde besonders bestimmt
ist. Pfeifer weist in seinem Einrichtungs-, Lehr- und Stoffplan für die acht-
klassige Bürgerschule in Weißenfels die Apostel- und Kirchengeschichte schon dem
sechsten Schuljahre zu, will aber diese Stoffe im achten Schuljahre als Ver
anschaulichung für den dritten Artikel noch einmal behandeln. Die bestimmte

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