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Weihnachtskonferenz in Oberhausen.
Folge, daß er vor der Thür steht, und überraschend kann er in unsern Tagen,
da sich alles in beschleunigter Folge entwickelt, hereinbrechen. Welche Bedeutung
hat aber die Betrachtung dieser Zeit der Vollendung für uns? „Wenn aber
dieses ansänget zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, darum,
daß sich eure Erlösung nahet." Die Betrachtung soll uns also zum Trost und
zur Stärkung unsers Glaubens dienen. Es ist ja unser Herr, der in den Wol
ken des Himmels naht, und mögen auch die Gläubigen, die Kinder Gottes selbst
iu dem furchtbaren Gericht des Weltunterganges, da Himmel und Erde mit
furchtbarem Krachen zergehen und die Elemente sich auflösen werden, zittern und
zagen, es ist doch nur ein Zagen ihrer schwachen Natur, nicht ein Verzweifeln,
ein Heulen und Zähneklappen der Kinder der Finsternis. — So laßt uns denn
mit aufgehobenem Haupte dieses Tages harren und durch seine Herrlichkeit uns
ftärfen- lassen in der gegenwärtigen Zeit der Vorbereitung.
Ihre innerliche Zustimmung zu dem prophetischen Zeugnis bekundete die
Konferenz durch den Gesang des Liedes: Wachet auf, ruft uns die Stimme.
Den ersten Vortrag hielt der Vorsitzende selbst, das Thema lautete: Zweck
und Stoff des Religionsunterrichts in der Volksschule (Gedanken über
pädagogische Grundfragen). Man wird es begreiflich - finden, daß wir hier nur
die Richtlinien andeuten können, in welchen sich der Vortrag bewegte, aber auch
selbst in dieser Einschränkung ist es nicht möglich, der ebenso umfangreichen als
tiefgründigen Arbeit gerecht zu werden. Der Vortrag verbreitete sich zunächst
über die Begriffe: Ziel, Zweck und Aufgabe des Religionsunterrichts. Als
Ziel stellte er nicht den Charakter schlechthin auf, da ja in diesem Begriff nur
eine formale Bestimmung liegt, sondern den christlichen Charakter, d. h. einen
Charakter, in dem Christus Gestalt und Leben gewonnen hat. Aus dieser Zielbe
stimmung, die weit über die Grenzen der Schularbeit hinausweist, folgt mit
Notwendigkeit die Zwecksetzung für die praktische Erziehungsthätigkeit. Der
Zweck des Religions-Unterrichts kann doppelt aufgefaßt werden, einmal als ein
pädagogischer, der darin besteht, die Herzen unserer Schüler für Christum den
Gekreuzigten und Auferstandenen mit heiliger Wärme zu erfüllen, und sodann
als ein didaktischer, der sich die Aufgabe stellt, für dieses Feuer der Liebe das
Brennmaterial, — das in Gesetz und Evangelium enthalten ist — zusammen
zutragen. Ziel und Zweck des Religionsunterrichts verwandeln sich naturgemäß
in eine Aufgabe, die für den Religionsunterricht darin besteht, die Herzen der
Kinder so zubereiten zu helfen, daß die Elementarkräfte des lebendigen Christen
tums: Glaube und Liebe darin Boden fassen können. Inhaltlich wird diese Auf
gabe, die wir Lehrer bezüglich des Religionsunterrichts zu lösen haben,
durch die Vorschriften unserer Behörden, besonders durch die allgemeinen Be
stimmungen begrenzt. Indem wir nun das, was uns hier vorgeschrieben wird,
in einen inneren Auftrag umwandeln, entsteht das Bestreben, die religiösen Auf
gaben aus einem religiösen Princip abzuleiten. Als ein solches subjektives Princip
ist die Bekehrung, als objektives Entwicklungsprincip aber das Wesen Gottes,
das Wesen der christlichen Persönlichkeit und das Wesen des Christentums zu
bezeichnen.
Bezüglich des Stoffes, den wir im Religionsunterricht zu bearbeiten
haben, ist ein Dreifaches zu beachten: 1. seine Art (Qualität), 2. sein Maß
(Quantität) und 3. seine Anordnung. Es sei nur kurz angedeutet, was hin
sichtlich der beiden letzten Punkte zu bemerken ist. Res. bezeichnete das Unter-

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