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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
als Schuljahre vorhanden sind. Demgegenüber legte Res. einen andern Versuch
zur Prüfung vor, der als Konzentrationsgrundlage das wirkliche Leben in der
Umgebung des Kindes, soweit es seiner Erfahrung und seinem Umgang zugäng
lich ist, ausstellt. Für die Unterstufe bildet diese Grundlage Haus und Familie
samt der nächsten Umgebung. Alle Stoffe, die unterrichtsmäßig auf dieser Stufe
zur Behandlung kommen, müssen stets mit diesem natürlichen Untergrund in
lebendiger Beziehung stehen. Auf der Mittelstufe erweitert sich diese Konzen-
trationsgrundlage, es tritt der zweite Kreis, die Gemeinde und ihre Verhältnisse
auf, natürlich nur wieder soweit, als dieselbe der wirklichen Anschauung erreichbar
bleibt. Man könnte nun folgerichtig erwarten, daß als Konzentrationsgrundlage
für die Oberstufe der Staat anzusehen sei. Das wäre aber schon allein aus
dem Grunde falsch, weil der Begriff Staat für Kinder lediglich ein Abstraktum
ohne faßlichen realen Inhalt ist. Res. bestimmte deshalb als Grundlage für
den Unterricht auf dieser Stufe die großen Sachgebiete: Gott, Mensch und
Natur. Leider verbietet auch hier wieder der Raum, die hochinteressanten Aus
führungen gerade über diesen Punkt auszugsweise wiederzugeben. Wir möchten
aber im Interesse des Gegenstandes hiermit die Bitte aussprechen, daß der Herr
Nef. seine Arbeit durch den Druck auch weitern Kreisen zugänglich machen möge.
Da mittlerweile die Zeit vorgeschritten war und eine Anzahl der Konferenz
mitglieder sich bereits entfernt hatte, verzichtete man auf eine eigentliche Debatte,
auch wohl schon aus dem Gefühl, daß man nach der anstrengenden Arbeit des
Tages dem gehaltvollen Vortrag nicht mehr gerecht zu werden imstande sei.
Von geschäftlichen Angelegenheiten sei noch erwähnt, daß der bisherige Vor
stand für weitere zwei Jahre einstimmig gewählt wurde. Der Vorsitzende schloß
hierauf die Konferenz nach Gesang und Schlußgebet gegen 5 Uhr nachmittags.
M. Pr.
Die neue deutsche Rechtschreibung.
Die von den Reichsbehörden in Angriff genommene einheitliche Regelung
der deutschen Rechtschreibung ist nunmehr zum Abschluß gekommen. Schon im
Sommer 1900 hatte der preußische Unterrichtsminister Sachverständige berufen,
um eine Neubearbeitung des Regelbuches für die Rechtschreibung in den preußischen
Schulen vorzubereiten. Diese Verhandlungen fanden unter dem Vorsitze des
Ministerialdirektors Dr. Althoff statt. Außer mehreren Räten des Ministeriums
waren daran beteiligt der Geheime Regierungsrat Prof. Di-. Wilmanns (Bonn),
der verdienstvolle Herausgeber des bekannten orthographischen Wörterbuches
Gymnasialdirektor Dr. Konr. Duden (Hersfeld), Prof. Dr. Rehrmann (Groß
lichterfelde) und der Geheime Oberbaurat Sarrazin (Friedenau), der Vorsitzende
des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. Auf welcher Grundlage diese Ver
handlungen geführt wurden, geht aus der Erklärung des Kultusministers an
eine Abordnung des Börsenvereins deutscher Buchhändler hervor, welche besagt,
daß man durchaus an der im amtlichen Heft: „Regeln und Wörterverzeichnis
für die deutsche Rechtschreibung 1882" festgelegten Puttkamerschen Orthographie
festhalten werde, daß die von jener beratenden Versammlung vorgeschlagenen
Änderungen verhältnismäßig unwesentlich sein und eine weitere Verwendung der

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