92 III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Der Eintritt der deutschen Volksschule in die Mäßigkeits
bewegung.
Nordamerika und Schweden sind zur Zeit die einzigen Länder, die sich
nennenswerter Erfolge im Kampfe gegen den Alkoholismus rühmen können. In
Nordamerika ist seit 15--20 Jahren, in Schweden seit 10 Jahren obligatori
scher Schulunterricht über die schädlichen Wirkungen des Alkohols von Staats
wegen eingeführt. Ein vor einigen Wochen in der New-Aork Tribune erschiene
ner Artikel mißt dieser weisen Maßregel einen größeren Anteil an dem wirt
schaftlichen Aufschwung der Vereinigten Staaten bei, als den hohen Schutzzöllen.
In Deutschland bricht sich die Erkenntnis von der Wichtigkeit der Schule
gegenüber dem immer mehr überhandnehmenden Übel nur sehr langsam Bahn.
Um so erfreulicher erscheint das zielbewußte Vorgehen des Dresdner
Schulamts. Auf Beschluß des Schulausschusses, welchem auch der Stadt-
bezirksarzt angehört, verteilte es dieser Tage die preisgekrönte Abhandlung von
Lehrer Heinrich Droste, „Die Schule, der Lehrer und die Mäßigkeitssache" in
1100 Exemplaren an die Dresdner Volksschullehrer und Dr. Bode's Schriftchen
„Warum unsere Kinder Wein und Bier nicht haben sollen" in 30000 durch
Briefumschläge verschlossenen Exemplaren an die Eltern der Schulkinder. Gleich
zeitig wurde der Vorsitzende des Dresdner Bezirksvereins gegen den Mißbrauch
geistiger Getränke, Dr. msä. Meinert, aufgefordert, die versammelten Schul
direktoren über das durch den Alkohol hervorgerufene Elend nach dem neuesten
Stand der Forschung aufzuklären und ihnen die Pflichten zu entwickeln, welche
angesichts solchen Elends an die Schule herantreten.
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Zwei Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Lesebuchlitteratur.
Flachsmann, W., Irrwege in Lesebüchern für Volksschulen in Urteilen Sachverständiger.
Zürich I960, E. Speidel. 127 S> Preis 1,60 M.
Das Buch bedeutet für die Theorie des Lesebuches nicht eigentlich eine Bereicherung,
da der Verfasser weder auf neue Wege oder neue Stoffe hinweist, noch auch bekanntes
Material nach eigenen, selbst erarbeiteten Gesichtspunkten vorträgt. Er will im gründe
genommen — wie ja auch der Titel andeutet — nichts anderes, als durch die Ürteile
hervorragender Pädagogen und Psychologen Schlaglichter werfen auf die Irrwege, die
man auf dem Gebiet der Lesebuchlitteratur in weiten Kreisen nach wie vor mit einer
Sicherheit geht, als ob alles in bester Ordnung sei. Und da er ein reiches Quellen
material herbeibringt und in guter Ordnung und Übersicht vorträgt, so ist die Schrift
immerhin eine erfreuliche Neuerscheinung.
Aus der Menge der citierten Autoren seien nur folgende erwähnt: Dörpseld (Der
did. Materialismus), Krumbach (Geschichte und Kritik der deutschen Schullesebücher),
Hildebrand (Vom deutschen Sprachunterricht), Wolgast (Das Elend unserer Jugend
litteratur) und besonders Heydner, der durch seine Schriften über Lesebücher und das
kindliche Seelenleben die Lesebuchssache außerordentlich gefördert hat. Eingehende Be
rücksichtigung haben auch die bekannten psychologischen Werke von Sully und Dreyer (?)
erfahren, was durchaus zu loben ist. Wir wären jedenfalls in der Lesebuchsache schon
manchen Schritt weiter, wenn immer auf psychologischer Grundlage gearbeitet worden wäre.
Einige kurze Hinweise mögen über den speciellen Inhalt der Bücher, soweit das
hier möglich ist, orientieren.

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