III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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seine Abweichung zu begründen. So schreibt er nicht Rundell (Rondell) sondern Rundet;
Rundturm, Bastei; Rundbect, und bemerkt dazu: „Dies ist die einzige Eindeutschung
des frz. rouckelle; in Rundell ist ll, in Rondel das o französisch; Rundteil ist plumpe
Erklärung der durch die Gartenkunst bekannt gewordenen ndl. Form rondeel.“ Bei
den Fremdwörtern ist die Übersetzung mitgeteilt, oder es sind deutsche Deckwörter an
gegeben. die durch besondere Zeichen noch weiteeren Wert erhalten. Auch sucht der Vers.
die Schreibung von unentbehrlichen Fremdwörtern der deutschen Art anzugleichen. Alle
vom Auslande in die deutsche Sprache gedrungenen Lehnwörter sind als solche und
nach ihrer Herkunft bezeichnet. Daß auch die echt deutschen Vornamen mit ihren ver
wandten Bildungen Berücksichtigung gefunden haben, wird hier und da mit Dank auf
genommen werden. So manche dieser Namen sind heute zu Familiennamen geworden,
und so ist von mir das vorliegende Buch bei der Durcharbeitung von mehreren Tausend
Familiennamen mit Vorteil benutzt' worden. Mit Rücksicht auf weite Verbreitung hat
die Verlagshandlung den Preis sehr niedrig bemesien.
Rh. A. H.
Bünger, Ferd., Schulrat, Seminardirektor zu Lüneburg. Entwicklungsgeschichte des
Volksschullesebuchs. Mit 30 Textabbildungen. Leipzig 1808, Dürr'sche Buch
handlung. 630 S. 14 M.
Das ist eine Schrift, über deren Erscheinen man sich mit Grund freuen muß
Bei der Wichtigkeit des Lesebuches, das im Laufe der Zeit so mancherlei Schwankung
in Bezug auf seinen Inhalt und die sprachliche Darstellung zeigt, ist es ganz besonders
wichtig, die allmähliche Gestaltung dieses Lehr- und Bildungsmittels kennen zu lernen.
Aus den mancherlei Versuchen, ein solches Buch immer zweckmäßiger auszubilden, es
nach Inhalt und Form zu vervollkommnen, auch aus den verschiedenen pädagogischen
Richtungen, die hin und wieder ganz falsche Wege und Ziele verfolgen, läßt sich am
anschaulichsten erkennen, welcher Maßstab an ein Lesebuch gelegt werden muß, um zur
richtigen Beurteilung desselben zu gelangen. Die Theorie des Lesehuchs läßt sich auf
Grund seiner Geschichte am sichersten darstellen.
Der Vers. hat sein Buch in sieben Abteilungen gebracht. Als das erste eigentliche
Volksschullesebuch sieht er den Kinderfreund von v. Rochow an. Darum bezeichnet
er den ersten Abschnitt als Vorgeschichte des Lesebuchs. Hier wird die Fibel zur
Erlangung der Lesefertigkeit mit ihrem ursprünglich nur religiösen Stoff besprochen und
dann an Beispielen gezeigt, wie bei der beginnenden Wichtigkeit der Realien und der
Entwicklung der deutschen Sprache nach und nach in allerlei Weise neuer Lehrstoff in
das Fibelbuch gedrungen ist: weltliche Sprüche, Briefe, Rechenübungen, Realien, welt
liche Bilder, Lehre von den Satzzeichen, Anstandsregeln. Der um 1642 von Gotha
ausgehende Fortschritt, das österreichische Lehrbüchlein, nebst den Büchern des General-
Landschulen-Reglements von 1757 und Basedows Bestrebungen finden als Vorläufer
des Lesebuches die nötige Beachtung.
Die zweite Abteilung ist ganz dem Rochowschen Kinderfreund gewidmet und den
Nachfolgern dieser Richtung, wobei denn auch die Lesewerke der Philanthropen und der
Anhänger Pestalozzis herangezogen werden. Der Zeit nach führt dieser Abschnitt bis in
unser Jahrhundert.
Die dritte Abteilung hat die Überschrift: das Lesebuch als Sprach- und Denklehr
buch Sie bespricht die Lesebücher der auf Sprachschönheit gerichteten Zeit, so wie die
der logischen und grammatisierenden Schule, auch manche Bücher, die eine Verbindung
dieser Bestrebungen versuchen.
In der vierten Abteilung wird die Zeit vorgeführt, in der sich die Vaterlandsem
pfindung besonders geltend macht, daneben werden Bücher angeführt, in denen realistische,
heimatliche oder vaterländische Stoffe mehr oder weniger hervortreten.
Die fünfte Abteilung geht zu denjenigen Lesebüchern über, welche im Besitz aller
Erziehungsfaktoren die Zeit der Regulative (1854) entweder vorbereiten oder dieser ihren
Ursprung verdanken.
Die sechste Abteilung führt bis auf die Gegenwart. Sie bespricht gewiffe Miß
stände, die Konfessionslosigkeit, die zu große Zahl der Bände, aber auch die Vorzüge
der Bücher aus jüngster Zeit. Schließlich wird die von Dörpfeld aufgeworfene Frage
des Reallesebuchs und daran geknüpfte Verhandlung kurz mitgeteilt, und ferner das
Bestreben der Schulverwaltung, die Zahl der Lesebücher einzuschränken, besprochen.
Dabei wird die Meinung vertreten, daß zwar nicht für den Staat oder eine ganze
Provinz, aber doch für den Regierungsbezirk ein einheitliches Lesebuch empfehlenswert sei.

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