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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Teil. Allgemeine Erziehungs- und Unterrichtslehre. In entwickelnder Weise dar
gestellt von denselben Verfassern. Mit 2 Holzschnitten. Elfte vermehrte und ver
besserte Auflage. In demselben Verlag. 204 S. Pr. 2,20 M., in Leinenband
mit Titel 2,?O M
Die Zahl der Auflagen beweist, daß die „Grundzüge" eine weite Verbreitung ge
funden haben. Der Verfasser wollte vor allem dem Anschauungsprincip gerecht werden.
Er wollte es vermeiden, den Seminarzöglingen fertige Urteile „anzudozieren", sondern
wollte ihnen Gelegenheit geben, auf Grund eigener Anschauung und Besinnung sich ein
eigenes Urteil zu bilden.
In Summa: Beschränkung des Stoffes auf das Notwendige, möglichst über
sichtliche Darstellung desselben und von der Anschauung ausgehende Entwicklung —
das waren die für Die Bearbeitung maßgebenden Grundsätze.
Der II. Teil umfaßt folgende Abschnitte: l. Die allgemeine Erziehungslehre.
2. Die Mittel und Wege der Volksschulerziehung. 3. Der Volksschulehrer. 4. Die
Schulverwaltung. Das Ziel der Erziehung wird bezeichnet „als das Gekommen
sein zu Christo, als die Gemeinschaft mit ihm und, im Unterschied von den Katholiken,
als die freie Gemeinschaft mit Christo." — „Hieraus ergiebt sich nun, daß die Auf
gabe der Erziehung wesentlich eine christlich-religiös-sittliche ist." Wir möchten
doch entschieden anraten, solche klingenden Redensarten zu meiden. Das Christentum
ist selbstverständlich religiös und sittlich. Wo „Religiosität" und „Sittlichkeit"
fehlen, da kann von Christentum nicht die Rede sein; denn wo das Wesen fehlt, ist der
Name unberechtigt.
Wir würden auch Bedenken tragen, den Begriff der Ethik so zu bestimmen, wie es
hier geschehen ist. „Dabei wollen wir nicht unbemerkt lassen, daß die
genannten Fertigkeiten und Tugenden nicht mit einem für alle Zeiten
gültigen Maßstabe gemessen werden dürfen. Die Ethik selbst, welche
das Ziel der Erziehung zu bestimmen hat, ist ja nach Schleiermachers
Definiton die wissenschaftliche Beschreibung derjenigen Hand lungs-
weise, welche in der christlichen Kirche innerhalb einer bestimmten
Zeit die herrschende ist." Es wird zunächst anerkannt, daß die Ethik das Ziel
der Erziehung zu bestimmen habe und sodann unter Bezugnahme auf die möglichst un
bestimmte Schleiermachersche Definition behauptet, daß es einen absoluten Maßstab der
sittlichen Beurteilung nicht gebe. Es ist ja nicht zu bestreiten, daß die Principien der
ethischen Systeme, wie sie die Geschichte der Philosophie aufweist, nicht selten in
diametralem Gegensatz zu einander stehen, daß die Vertreter der rationellen Moral
sich auch heutzutage noch streiten, ob die Moralprincipien absolute oder nur relative
Geltung haben. Aber die christliche Ethik hat doch ganz gewiß einen sicheren all
gemein und für alle Zeiten gültigen Maßstab für das Thun und Lasten aufzuweisen.
Worin das ganze Gesetz und die Propheten „hanget", darüber kann doch kein Zweifel
bestehen. Und doch wird den Seminarzöglingen gesagt, daß es keinen für alle Zeiten
gültigen ethischen Maßstab gebe. Es handelt sich doch hier nicht um Kasualien, sondern
um eine Principienfrage. — Es wird betont, daß die Ethik das Ziel der Erziehung
zu bestimmen habe. Nun wird als Ziel der Erziehung hingestellt: „Freie Gemeinschaft
mit Christo." Ist nun wirklich dieses Ziel aus der Ethik abgeleitet? Dieses Ziel ist
zweifellos auch ein ethisches Ziel, aber es ist niemals aus der Ethik abgeleitet. —
Wir halten es für durchaus erforderlich, daß die grundlegenden pädagogischen Fragen
im Seminarunterricht gründlich erwogen werden, damit die Zöglinge wenigstens die
vorliegenden Probleme und Widersprüche einigermaßen empfinden und sehen, damit sie
vor jenem oberflächlichen didaktischen Materialismus bewahrt bleiben, der erfahrungs
mäßig als ein wesentliches Hindernis des selbständigen Denkens und der wahren
Bildung zu betrachten ist. Wir möchten den p. Herausgeber, der ja ausdrücklich er
klärt, daß er nicht die Vertretung für alle in dieser Arbeit niedergelegten Auffaffungen
übernehmen könne, bitten, nach der angedeuteten Richtung hin eine gründliche Revision
vorzunehmen. Trotzdem ist und bleibt dieses Werk eine tüchtige und wertvolle Arheit,
die auch für ihren nächsten Zweck, wie die Zahl der Auflagen beweist, recht geeignet
und darum empfehlenswert ist. A. Grünweller-Saarn.
Bachofner, Heinr.. Seminardirektor. II. Teil; Aus seinem litterarischen Nachlaß mit
Einleitung. Von Paul Bachofner, Pfarrer. Zürich, Ev. Gesellschaft. 232 S.
Preis 3,20 M.

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