III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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Der erste Teil ist im Februarheft unseres Blattes empfehlend besprochen worden.
Jetzt liegt der zweite Teil vor, von dem Sohne zusammengestellt und hier und da er
gänzt. Die Einleitung führt uns Bachofners litt. Thätigkeit vor, spricht von seinen
religiösen Anscdauungen, bringt seine Gedanken über Lehrerseminare und die „freie
Schule" im Gegensatz zur Staatsschule, seine Ansicht über deutschen Unterricht und seine
pädagogischen Grundsätze. Die drei folgenden Abschnittte bringen zunächst Religiöses in
kleineren und größeren Arbeiten, dann Gedanken über religiöse Formen und über den
Beruf. Darauf folgen Arbeiten über Kunst und Litteratur und endlich Pädagogisches
im engeren Sinne: Humanistische und evangelische Erziehung, — worin B. sich auch
mit der Herbartschen Psychologie auseinander zu setzen sucht, — Lehrerbildung, religiöse
Übersättigung, ungeratene Kinder, kleinere Bilder aus dem Schul- und Lehrerleben.
Einen reichen Anlaß zu ernsten Erwägungen und Betrachtungen giebt u. a. das
Buch, wenn man es etwa liest unter Beachtung des Aufsatzes „Praktisches Christentum"
in Nr. 3 u. 4 unseres Blattes, oder wenn man das Fundamentstück Dörpfelds mit
dem vergleicht, was der republikanische Schweizer S. 38 und an anderen Orten von dem
Jnteresie der Familie für die Schule sagt. Das Buch bringt nachhaltige Förderung,
selbst wenn man dem Verfasser gegenüber manchmal anderer Ansicht sein sollte.
Rh. A. H.
Busemann, L.. Seminarlehrer. Hilfsbuch für den Physikunterricht im Seminar und
für die Hand der Lehrer. Mit 289 Figuren. Leipzig, 1901. Dürr. 255 S. 3,2o M.
In vorliegendem Buche ist die herkömmliche Reihe der Kapitel beibehalten, aber in
der Darstellung der einzelnen Stücke ein Unterschied gemacht worden. Der Verfasier
stellt das, was nach seiner Ansicht in den einzelnen Kapiteln schon mit Präparanden
durchgenommen werden muß, hier nur kurz und übersichtlich zusammen, wie es dem
Seminaristen zur Wiederholung genügt, während die neuen und schwierigen Stücke eine ein
gehendere Behandlung erfahren. So ist im Kapitel von der Wärme der früher behandelte
Lehrstoff auf 18 Seiten gebracht, das Neue nimmt 21 Seiten ein. Es ist keine Frage,
daß diese Einrichtung besondere Vorteile bietet. Freilich stimmt die hier getroffene
Einleitung mit den neuen Lehrplänen für Lehrerbildung nicht ganz überein: aber dieser
Übelstand läßt sich bei gutem Willen überwinden und fällt bei einer neuen Auflage
jedenfalls fort. — Die den Abschnitten angehängten Ausgaben sollen Klarheit darüber
verschaffen, ob der Lehrstoff so weit angeeignet ist, daß einer Anwendung nichts im
Wege steht und zwar auch in anderen Wissenszweigen. Die Pflanzenkunde ist dazu be
sonders herangezogen worden, wobei der Verfasser voraussetzt daß der Unterricht in
beiden Fächern in derselben Hand liegt, was wohl nicht überall zutreffen wird.
Die Darstellung ist durchgängig klar und verständlich, einige Entwicklungen müssen
wegen der Einfachheit vortrefflich genannt werden. Bei dem Abschnitt „Anwendung des
elektrischen Stromes" scheint die Rücksicht auf die Bedürfnisse eines Technikers zu sehr
vorgewaltet zu haben, oder es hat der Reiz der Neuheit zur Aufnahme einiger Stücke
geführt. So wie nämlich aus der Mechanik die technische Mechanik und Maschinenlehre
sich als besonderer Teil für Fachschulen abgetrennt hat, so wird hoffentlich auch in der
Lehre vom Galvanismus der allgemeine und zur wissenschaftlichen Bildung nötige
Teil sich künftig reinlicher von den Stücken sondern lassen, die vorwiegend dem Tech
niker zukommen. Das Seminar soll sowenig Elektrotechniker wie Lokomotivführer
bilden. — Seite 5 ist wohl statt Notwendigkeit Zweckmäßigkeit zu setzen. Ist nicht die
Realsche Extraktpresse Seite 28 ganz veraltet? Warum unten auf Seite 32 treiben statt
schwimmen? Treiben gilt voch nur bei fließendem oder bewegtem Waffer. Der Hohl
würfel Seite 33, Aufg. 3, sinkt unter; vielleich ist da ein Druckfehler. Seite 163 'wird
die Flintglaslinse als plankonkav bezeichnet: in der Abbildung ist sie konvexkonkav.
Das Buch wird sich hoffentlich bald Freunde erwerben.
Meyer, K., Seminardirektor. Naturlehre (Physik und Chemie) für höhere Mädchenschulen,
Lehrerinnen-Seminarien und Mittelschulen. Mit 286 Abb.. 220 S. Leipzig I90i,
G. Freytag. Geb. 2,20 M.
Bei guter Ausstattung ist das Buch billig, und der Verfasser hat bei der Aus
wahl des Stoffes im ganzen eine glückliche Hand gehabt. Das Buch beginnt mit der
Lehre von der Wärme, einem Gebiete, auf dem die Schülerinnen einen bedeutenden
Vorrat eigener Erfahrungen schon erworben haben. Hier und da wird der Verf. wohl
Verbesserungen eintreten lasten. So ist bekanntlich das specifische Gewicht eine unbe
nannte Zahl: aber Herr Meyer schreibt frischweg „Das Gewicht eines Kubikdecimeters
«oder Kubikcentimeters) irgend eines Stoffes ist sein specifisches Gewicht." Unter den

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