Dispositionsschwanklmgen bei Kindern.
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zuringen vermögen zu dem gewohnten Überschauen und Beherrschen sonst ge
läufiger Stoffgebiete und in unseren Schlußfolgerungen, in unserem Verhalten
und in unserem Auftreten unsicher werden, so fühlen wir uns in Stunden
günstiger Disposition leicht und frei, gewinnen wir ohne weiteres die Herrschaft
über Gedankenreihen, die uns vorher fremd schienen oder in unbegrenzter Breite
zerfloffen, und hebt uns eine gewisse Sicherheit im Denken und Handeln zu dem
Gefühl empor, daß wir uns „auf der Höhe" befinden. Und wie die Neigung
oder Stimmung zu einer bestimmten geistigen Arbeit trotz ungünstiger Neben
umstände ein gutes Resultat bewirken kann, vermag die Abneigung oder Un
stimmung gegen eine andere das geringste positive Resultat trotz günstiger
Nebenumstände unmöglich zu machen.
Diese Neigung oder Abneigung, Stimmung oder „Unstimmung" (Goethe)
sind nicht immer entsprechende Begleitzustände des körperlichen Befindens; sehr
oft entsteigen sie unbekannten Quellen. Sie sind da und beherrschen den
Menschen. Zu ihrem Erscheinen im letzten Grunde vielleicht durch nebensächliche
Umstände, zufällige Ereignisse und Gedanken veranlaßt, werden sie oft durch
ebensolche Gelegenheitsveranlassungen beseitigt, wenn sie nicht das ganze Geistes
leben des Menschen mit Zähigkeit behaften. Von der Beschaffenheit des
Nervenmaterials hängt es dann ab, ob der Wille das Befinden gewaltsam auf
den jeweiligen Zweck der Geistesarbeit einstellen kann, ob noch die Elastizität
der Jugend vorhanden ist, eine Leistung zu ermöglichen, gleichgiltig, ob die Seele
auf diese rein gestimmt ist oder nicht, ob sie Neigung zu dieser Leistung
empfindet oder Abneigung.
Es bedarf keiner Erklärung, warum bei Erwachsenen mit gesunder
Körper- und Geistesverfassung Zustände der Unstimmung selten und schnell
vorübergehend auftreten und der Wille mit Erfolg und ohne nachteilige
Wirkung für das spätere Befinden dem Zustande entgegenwirken kann,
warum dagegen Nervöse, körperlich und geistig Geschwächte oder Schwache, Ge
sunde, die Zeiten geistiger Anspannung und Abspannung zu überstehen haben,
intensivere Zustände der Unstimmung oder Abneigung ertragen müssen und
denselben viel öfter ausgesetzt sind, warum der Wille des Nervösen oft nicht
ohne Steigerung des Gesamtzustandes strenge Selbstzucht üben kann. Je nach
Lage des Falles wird es Aufgabe der Selbstzucht, der anteilnehmenden Umgebung
oder des Arztes sein, erhebliche und oft auftretende Stimmungsdifferenzen bei
Erwachsenen abzuschwächen und zu verhindern.
Von einer gewissen allgemeinen Bedeutung aber ist die Tatsache, daß Zu
stände der Unstimmung, der ungünstigen Disposition nicht nur bei Erwachsenen
beobachtet werden, sondern auch schon im Leben des Kindes eine Rolle
spielen und besonders bei kranken und schwachen Kindern nicht

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