Dispositionsschwankungen bei Kindern.
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praktischen Schulleben forderten. Bezeichnend für den Ernst und die Wissen
schaftlichkeit der ganzen Bewegung ist es, daß es gerade die führenden Köpfe
sind, die ihr die Zügel anlegen. Neben den Anregungen Kröpelins zu
neuen Untersuchungsmethoden steht seine scharfe Kritik, in welcher er die Resultate
jeder neuen Methode auf ihre Exaktheit und praktische Verwendbarkeit prüft;
und Ziehen warnt seine Hörer in den Vorlesungen über physiologische Psycho
logie nachdrücklich vor der fast zur Mode gewordenen, voreiligen praktischen Ver
wertung experimenteller Untersuchungen für die Pädagogik. Wenn sich daher
auch die experimentell-didaktische Untersuchung in der Organisation des Mann
heimer Volksschulwesens (die Sicking er von dem Gesichtspunkt der Arbeits
fähigkeit der Kinder vorgenommen hat) bereits einen bedeutsamen praktischen
Erfolg zusprechen kann, so wird man doch von ihrer exakten Beweisführung not
wendiger Schulreformen nicht alles erhoffen dürfen, und zwar um deswillen,
weil es wohl kaum jemals gelingen wird, eine Methode zu erfinden, die bei
den komplizierten psychischen Vorgängen alle Fehlerquellen auszuscheiden oder
mit zu berücksichtigen imstande wäre.
Eine komplizierte Erscheinung bildete seinerzeit den Ausgangspunkt der Be
wegung: die geistige Ermüdung. Um sie pädagogisch zu erfassen, bemühte
sich die didaktische Untersuchung, eine sichere Grundlage für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Kindes in der Bestimmung der Grenze zwischen Leistungs
fähigkeit und Ermüdung zu gewinnen. Lay*) hat nun experimentell nach
gewiesen, daß die psychische Energie und das psychische Tempo, also die Leistungs
fähigkeit jedes Kindes und jeder Klasse stündlichen, täglichen, wöchentlichen,
monatlichen und jedenfalls auch jährlichen Schwankungen unterworfen ist. Er
betrachtet aber diese Schwankungen als etwas Normales, da sie durch normale
Ursachen hervorgerufen werden, z. B. durch das Ruhebedürfnis nach geistiger
Arbeit, durch die Einflüsse der Jahreszeit, die fortschreitende Entwicklung,
schwache körperliche Konstitution u. a. Ohne zu untersuchen, ob die Experimente
und Resultate Lays exakt genannt werden können, ist zuzugeben, daß sich die
einfache Erfahrung mit diesen Ergebnissen im großen und ganzen deckt. Jeder
Berufspädagoge weiß aus Erfahrung, daß keineswegs immer die erste Stunde
des Vormittagsunterrichts die für die Schul-Arbeit günstigste ist, daß sich in der
Regel in der zweiten und dritten Stunde die geistigen Kräfte des Kindes am
stärksten entfalten, daß gegen Mittag die geistige Aufnahmefähigkeit abnimmt, um
sich im Verlaufe des Nachmittags nochmals zu steigern und alsdann wieder zu sinken.
i) Experimentelle Didaktik. Ihre Grundlegung mit besonderer Rücksicht
auf Muskelsinn, Wille und Tat. — Nemnich, Wiesbaden 1903, S. 406: Das Prinzip
der Periodizität: Didaktische Experimente über psychische Energie, psychisches Tempo
und ihre Wellenbewegung. — (S. 436; Experimente über Ermüdung und Leistungs
fähigkeit.)

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